AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Woyzeck in Graz

Vorösterliche Passion eines Zerriebenen

Am Grazer Schauspielhaus begräbt Regisseur Oliver Frljić Georg Büchners dramatisches Fragment "Woyzeck" unter einer triumphalen Bilderflut. Kurzkritik von Ute Baumhackl.

Im Grazer Schauspielhaus unterzieht Regissuer Oliver Frljić nun das Stück einer bildmächtigen Verdichtung
Im Grazer Schauspielhaus unterzieht Regissuer Oliver Frljić nun das Stück einer bildmächtigen Verdichtung © SCHAUSPIELHAUS GRAZ/LUPI SPUMA
 

Erst 1913 wurde Georg Büchners unvollendet gebliebenes Drama „Woyzeck“ aus dem Jahr 1837 uraufgeführt. Inzwischen zählt es zu den meistinterpretierten Stücken der deutschen Dramenliteratur. Die Geschichte des braven, armen Soldaten, der von seinem Hauptmann brutal ausgenutzt wird und sich aus purer finanzieller Not der absurden Erbsendiät eines experimentierfreudigen Militärarztes unterwirft, der innere Stimmen hört und seine geliebte Marie ersticht, als diese sich mit einem Tambourmajor einlässt, zählt zu den dunkelsten Texten, die der im Alter von nur 23 Jahren verstorbene Autor hinterlassen hat.

Im Grazer Schauspielhaus unterzieht Regisseur Oliver Frljić nun das Stück einer bildmächtigen Verdichtung. In knapp 60 Minuten führt er ein achtköpfiges Ensemble, angeführt von Franz Solar als Woyzeck, in die finstersten Ecken menschlicher Perfidie.

Bilderflut

Der Mensch sei ein Abgrund, heißt es einmal in dem Text; hier ist die Menschheit ein Inferno, in dem der Unterlegene sexuell und psychisch zerstückelt wird. Dabei scheint von Woyzeck von vornherein schon nicht viel übrig. Solar gibt in einer bravourösen Performance den gehorsamen Soldaten als bereits Zerriebenen, die übrigen Rollen sind in dieser Woyzeck-Passion nur noch angedeutet. Frljić baut über das Stück eine Bilderflut, deren Sinnlichkeit den Text unter sich begräbt. Das könnte man dem Regisseur auch vorwerfen, zur Premiere gab es dafür tosenden Applaus.

 

 

Kommentare (1)

Kommentieren
fridolin22
0
0
Lesenswert?

Ich habe aufgrund der eher positiven Kritiken(auch von der Kleinen Zeitung) die Aufuehrung besucht und wurde von einer eher ungewoehnlichen Inszenierung ueberrascht. Kurzum waste of time plus wozu gibt es Kritiken?? , wenn sich keiner traut Klartext zu schreiben.
Nun nach kurzer Recherche meine Eindruecke;
ein bekannter kroatischer Regisseur versucht das hiesige Publikum mit den Lebenswirklichkeiten des Suedwestbalkans zu beeindrucken, was heisst es wird das Schwanzlutschen zelebriert und mit Jesus und Gottvater vermanscht alles recht provokativ, aber das hatten wir in Mitteleuropa schon for 40 Jahren durch, siehe Passolini, Wolfi Bauer etc , wozu muss bei uns der arme Buechner dafuer buessen; eigentlich
eine ziemlich armselige Provokation, die vielleicht im Kontext des Balkans,
Probleme mit der Kirche und Macho Sexualitaet Sinn macht, in Mitteleuropa einfach nur langweilig !!

Antworten