Es ist eine schräge Welt, die Nava Ebrahimi in ihrem neuen, dritten Roman betritt. „In dieser besonders schrägen Welt war es normal, dass über die Köpfe der Menschen gerupfte und ausgehöhlte Hähnchen hinwegflogen.“ Schauplatz des Geschehens ist die Geflügelfabrik Möllring im norddeutschen Emsland. Bevor es dort den Tieren an den Kragen geht und die Menschen ihren stupiden Job erledigen, erklingt ein Morgengebet, denn der Firmenchef ist gläubiger Christ. Der Job der Arbeiterinnen besteht darin, sogenannte „Wooden Breasts“, also krankhaft verholzte Hühnerbrüste, zu erkennen und auszusortieren. „Hochheben, Tasten, Fallenlassen. Hochheben, Tasten, Fallenlassen.“ 650.000 Hühner werden täglich bei Möllring geschlachtet und verarbeitet.
Buch der Woche: Nava Ebrahimi
Verhärtet ist nicht nur die Hühnerbrust
Kritik.
„Und Federn überall“, der neue Roman von Nava Ebrahimi, ist ein Glücksfall von einem Buch, das scharfe Gesellschaftskritik mit hoher Erzählkunst verbindet. Schauplatz ist eine Geflügelfabrik.
© Clara Wildberger