Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim

Tolkiens Nachfahren halten das Erbe des britischen Fantasy-Vaters hoch. Mit Verfilmungen der Werke von J.R.R. Tolkien (1892–1973) gehen sie daher insgesamt recht sparsam um. Nach der überbordenden Hobbit-Trilogie und der opulenten Amazon-Serie folgt nun eine kleine, aber feine Vorweihnachts-Rückkehr nach Mittelerde. Und zwar in Form eines japanischen Animationsfilms unter der Regie von Kenji Kamiyama. Das neue Prequel „The Lord of the Rings: The War of the Rohirrim“, in der deutschen Übersetzung „Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim“ zur bloßen „Schlacht“ verfälscht, erzählt von König Helm Hammerhand und seiner Tochter Héra, basierend auf einem kurzen Fragment aus den Anhängen von Tolkiens Hauptwerk.

Von ihren Taten berichtet als Erzählerin keine Geringere als Schildmaid Éowyn, die einzige kämpfende Frauenfigur in der „Herr der Ringe“-Trilogie. 183 Jahre vor Frodos Abenteuern im großen Ringkrieg muss Héra das Reitervolk von Edoras vor einem Verräter und zudem gleich vor einem Bürgerkrieg retten. Berühmt wird dabei jedoch nur ihr Vater, dessen Name in Helms Klamm aus „The Lord of the Rings: The Two Towers“ verewigt ist. Die neue weibliche Hauptfigur im großteils männlichen Tolkien-Universum frischt den altehrwürdigen Mythos sanft auf, ohne ihm die mittelalterlich-kriegerische Atmosphäre zu nehmen. Fazit: Etwas weniger Plot und umfassendes Fan-Service und mehr eigener mythisch-mystischer Legenden-Flair im ursprünglichen Gestus von Professor Tolkien hätte dem 134-Minuten-Film aber gutgetan. (maw)
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Here

Robert Zemeckis, Tom Hanks und viel CGI-Spielerei: Was schon vor 20 Jahren in „Der Polarexpress“ bizarr wirkte, wird mit viel Aufwand und Schmalz in „Here“ umgesetzt. Tom Hanks, Robin Wright und Zemeckis verkörpern die Dreifaltigkeit eines „Forrest Gump“-Wiedersehens. Sie spielen vom Teenager-bis ins hohe Alter die Hausbesitzer Richard Young und dessen Frau Margaret. Zu sehen sind auch Paul Bettany und Kelly Reilly als Richards Eltern sowie Michelle Dockery, Gwilym Lee, David Fynn oder Nicholas Pinnock als frühere und zukünftige Bewohner. Für Zemeckis Filmografie der letzten Jahrzehnte schon fast ein Lichtblick, aber als Gesamtwerk eher gepflegte Langeweile. (sg)
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Shambhala

Hoch droben in den Tälern des Himalayas spielt der erste nepalesische Spielfilm im Berlinale-Wettbewerb. Regisseur Min Bahadur Bham folgt seiner Protagonistin auf eine Odyssee in eisige Bergeshöhen – gedreht wirklich in Höhen bis zu 6000 Meter. Pema (Thinley Lhamo) sucht dort nach einem ihrer Ehemänner. Tashi (Tenzing Dalha), der älteste der drei Brüder, mit denen die junge Frau eine polyandrische Ehe führt, ist nach einer Handelsreise nicht heimgekehrt. Pemas Schwangerschaft hat die Gerüchteküche zum Brodeln gebracht. In langen, meditativen Kamerafahrten wird über Stock und Stein geritten. Einblick in einen Kosmos, in dem Mensch, Tier und Natur augenscheinlich im Einklang leben, wo Brauchtümer und Riten den Alltag bestimmen. Heile Welt ist hier nicht alles. Durchdrungen von buddhistischer Mystik erzählt „Shambhala“ von der Selbstfindung einer Frau, die die Ketten patriarchaler Glaubensvorstellungen ablegt. Das eigentliche Drama ergibt sich zwischen den Zeilen, aus den kleinen Gesten, den feinen Beobachtungen. (pog)
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Dreaming Dogs

Nach dem poetischen Dokumentarfilm „Space Dogs“ (2019) kehrt das Regieduo Elsa Kremser und Levin Peter mit „Dreaming Dogs“ zurück auf die unwirtlichen Straßen von Moskau. Erneut aus Hundeperspektive begleitet die Doku ein Rudel von Streunern und Nadja bei ihrem verborgenen Leben am Rand der russischen Gesellschaft. Eine Langzeitbeobachtung und eine Reflexion über Abhängigkeiten, Zähmung und Zusammenleben. (js)
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