Gelbe Backsteinwege, fliegende Affen, rote Schuhe und natürlich die giftgrüne Farbe der bösen Hexe des Westens – Oz hat sich tief in das popkulturelle Gedächtnis eingegraben. Einst 1900 als Kinderbuchreihe von Autor L. Frank Baum konzipiert, war es die Musical-Adaption von 1939 mit Judy Garland als Dorothy Gale, die das Buch über ein Kinderpublikum hinaus berühmt machte.
Diese diente dem US-Autor Gregory Maguire 1995 als Basis für seinen Roman „Wicked“, eine revisionistische Version der Ereignisse in Oz. Statt Dorothy ist die böse Hexe des Westens die Hauptfigur, statt die Drahtzieherin fieser Machenschaften ist sie das Opfer einer Verschwörung. Ähnlich wie bei Baum und seinem Roman erlangte Maguires gesellschaftskritischer Roman mit einer Live-Adaption größere Bekanntheit. Das Musical „Wicked“ feierte 2003 Premiere und avancierte zum globalen Hit.
Nun, über 20 Jahre später, begeistert „Wicked“ als Blockbuster-Spektakel. 461 Millionen Dollar hat der Film weltweit bereits eingespielt. Verantwortlich für die Adaption zeichnet sich der Regisseur John M. Chu, der bereits mehrere „Step Up“-Filme inszenierte. Diesen Bombast einer Bühnenshow verlagert er gekonnt, manchmal bis zur Ermüdung, auf die Leinwand.
Wie eine Freundschaft beginnt
Die mit grüner Haut geborene, und somit als Außenseiterin verschriene Elphaba (Cynthia Erivo) wird gemeinsam mit ihrer Schwester Nessarose (Marissa Bode) an der prestigeträchtigen Universität Glizz aufgenommen. Deren Dekanin für Zauberwissenschaften, Madame Akaber (Michelle Yeoh), interessiert sich besonders für Elphaba, da die ungleich anderer natürliche magische Kräfte besitzt.
Dass die Dekanin ihr Privatunterricht gibt, passt Elphabas Zimmergenossin, der Prinzessin-haften Galinda (Ariana Grande), später bekannt als Glinda, die gute Hexe des Nordens, gar nicht. Nach sehr viel Streit und Beleidigungen, in die auch Galindas Freund Fiyero (Jonathan Bailey) mit hineingezogen wird, nähern sich die beiden Frauen jedoch an und werden Freundinnen.
Als eine Einladung des Zauberers von Oz (Jeff Goldblum) für Elphaba ins Haus flattert, sie möge ihn in der Smaragdstadt besuchen, nimmt sie die Freundin kurzerhand mit. Elphaba hat einiges am Herzen, was sie mit dem Zauberer besprechen möchte. Etwas ist faul im Lande Oz. Die sprechenden, intelligenten Tiere, genannt TIERE, verschwinden oder werden stumm. Darunter auch ihr Lieblingsprofessor Dr. Dillamond (Peter Dinklage). Wird der Zauberer helfen können? Die grüne Außenseiterin, der Außenstehende und die TIERE als außen vor Gelassene – Sie müssten einander doch verstehen?
Eine zeitlose Geschichte
Dass hier Populismus, fragile Männlichkeit und faschistische Strukturen auf inklusiven Idealismus treffen ist eines der zeitlosen Elemente der Geschichte. Chu inszenierte ob des Umfangs nur den ersten Teil der Bühnenshow, konzentriert sich auf die tragische Freundschaft Elphabas und Glindas, die durch die Verfechtung von Idealen versus den Zwang nach Popularität gebrochen wird.
Popsternchen Grande geht in dieser feenhaften Rolle gekonnt auf, auch wenn ihre Glinda oft an die reale, öffentliche Figur Grandes erinnert. Erivo bringt die nötige Schärfe und Tragik in ihre Elphaba. Die Chemie der beiden stimmt, sie erheben sich über die oft etwas vollgestopfte Inszenierung. Oz ist immer eine Reise wert. Wer die Ausdauer hat, wird auch diesen Trip in die Welt von „Wicked“ mögen.
Bewertung: ●●●●○