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Neues Album am FreitagFrittenbude: "Was passiert erst, wenn die Krise ankommt?"

Die Band Frittenbude veröffentlicht am Freitag ihre neues Album. Man gibt sich politisch, aber trotzdem ist "Rote Sonne" kein pessimistischer Abgesang auf die Zeit.

Die Frittenbude
Die Frittenbude © (c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
 

Am Anfang stand eine Auszeit: Bevor sich die deutsche Electro-Punk-Band Frittenbude an ihre neue Platte "Rote Sonne" machen konnte, brauchte das Trio eine Pause. "Das war notwendig", sagt Sänger Johannes Rögner. "Wir wollten erst mit dem Album anfangen, wenn alle drei richtig Bock haben." Und es hat sich gelohnt, ist das Ergebnis doch eine facettenreiche und direkte Songsammlung geworden.

Womit Rögner und seine Kollegen Martin Steer und Jakob Häglsperger an ihre bisherigen Erfolge anknüpfen. Die bayerische Formation, die mittlerweile in Berlin ansässig ist, hat in den vergangenen Jahren mit eingängigen Melodien und harter Kante überzeugt, sich dabei oft politisch und stets dezidiert links positioniert und damit im Alternative-Bereich eine ansehnliche Fangemeinde aufgebaut. "Wir haben bald eine 15-jährige gemeinsame Geschichte", gibt Steer zu bedenken. "Da sind wir ja Brüder in einem gewissen Sinne. Danach ist man irgendwie süchtig."

 "Wir waren wirklich abgeschottet"

Insofern war es nach dem Vorgänger "Küken des Orion" (2015) nicht die Frage ob, sondern nur wann neues Material erscheinen wird. Für die ersten Demos haben sich die Musiker dann in einem kleinen Studio nahe Berlin eingemietet, "dort haben wir uns eingesperrt und waren wirklich abgeschottet", erinnert sich Rögner. "Tagsüber produziert, abends gejammt - wie früher im Endeffekt, einfach aus Spaß an der Freude." Laut Häglsperger sei dieser Schritt wichtig gewesen, "um wieder eine Vision zu teilen. Es verändert sich was, aber wir sind uns einig. Dann ging es richtig los."

Frittenbude versuchte, sich freizumachen. "Wir wollten uns nur der Musik widmen, ohne eine Deadline, ohne irgendwelche Vorgaben", betont Steer. Was allerdings nicht bedeutet, dass die Gruppe alles Funktionierende über Bord geworfen hat. Stattdessen wurde an einigen Schrauben gedreht, gibt es Platz für Melancholie und Party gleichermaßen. Erneut lässt sich der Sound nicht eindeutig festnageln, sondern bleibt im Fluss. "Das ist auch bedingt dadurch, dass wir drei eigentlich relativ unterschiedliche Geschmäcker haben: Wenn etwas durch dieses Raster geht, dann ist es für uns unantastbar", so Häglsperger. "Was gibt es Besseres, als wenn wir drei zufrieden sind?"

"Wir wollten uns nur der Musik widmen, ohne eine Deadline, ohne irgendwelche Vorgaben"

Martin Steer
Wobei Rögner wichtig ist festzuhalten, dass es keine Demokratie in der Band gibt. "Wir sind kommunistisch. Es muss jeder zu 100 Prozent am Start sein und alles gut finden. Natürlich müssen wir im Kapitalismus funktionieren, aber wir bewahren uns diesen Kern." Der auch damit zu tun hat, dass sich Frittenbude immer wieder klar gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit positioniert, so auch in Stücken wie "Die Dunkelheit darf niemals siegen". "Da sind natürlich Aspekte drin, die schon tausend Mal gesagt wurden", gibt der Sänger zu. "Aber es hat sich trotzdem nichts verändert! Deswegen muss man das vielleicht noch dreitausend Mal sagen, auch wenn vielleicht nie etwas passieren wird. Wenigstens hat man es versucht."

Den Aufstieg rechtspopulistischer Parteien in vielen Ländern beobachtet die Band mit Sorge. "Wir werden ja auch immer wieder gefragt, was wir mit dem 'Raven gegen Deutschland' haben", bezieht sich Häglsperger auf den gleichnamigen Song. "Es sei doch eh alles super hier. Alter, mach die Augen auf! Es ist überhaupt nicht alles super", verweist er etwa auf die jüngsten Wahlergebnisse der AfD. Der Alltagsrassismus vom Stammtisch sei in der Gesellschaft angekommen. "Und da musst du sehen, dass Österreich und auch Deutschland von der Krise ja eigentlich verschont geblieben sind", spricht Rögner die wirtschaftliche Situation dieser Länder an. "Trotzdem gab es einen harten Rechtsruck. Was passiert erst, wenn die Krise ankommt? Das will man sich gar nicht ausmalen."

 

Thematisch wollte Frittenbude ein Album "in Richtung Liebe" machen, allerdings hat sich dieses Konzept mit der Zeit etwas gewandelt. "Es hat sich rauskristallisiert, dass auch Sucht ein großes Thema ist", so Rögner. "Und das hat ja irgendwie auch mit Liebe zu tun. Liebe ist in meinen Augen ja auch politisch." Insofern seien diese drei Themenkreise ganz von alleine zusammengekommen. "Rote Sonne" spricht diese Dinge an, lässt in vielen Songs aber auch Platz für Persönliches, für offen gestaltete Texte. Die Platte ist keineswegs ein pessimistischer Abgesang auf unsere Zeit. Dafür steckt in dem Trio zu viel Tatendrang und Energie, als dass man sich der gegenwärtigen Situation ergeben würde.

Und wer noch etwas mehr Zeit und Muße mitbringt, kann sich (neuerlich) an ein Ratespiel machen, ist Frittenbude doch bekannt dafür, Samples aus Filmen und Serien in die Stücke einfließen zu lassen. Diesmal begegnet man etwa dem österreichischen Schauspieler Georg Friedrich, dem "Star Wars"-Universum und sogar einem Modemsound. "Das Internet ist ja grenzenlos", bringt Rögner auch hier einen politischen Bezug ins Spiel. "Und dann sitzen die Leute vor ihrem Computer und haben ihre scheiß Staaten im Kopf, ihren scheiß Lokalpatriotismus. Dabei sind wir ja eigentlich in einem Zeitalter angekommen, in dem wir alle miteinander vernetzt sind." Es steckt eben hinter jedem Detail eine Intention bei Frittenbude.

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