Behind the Legend-KritikAmazons Bayern-Doku: Mia san mia san supa

Die nächste Sport-Doku in der Streamingwelt nimmt sich den FC Bayern vor. Gezeigt wird ein Hochglanzverein, Konflikte und dunkle Seiten bleiben ausgespart.

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Eine Umarmung für David Alaba: Sein Abschied von Bayern München ist eines der Themen in der Bayern-Doku. © Amazon
 

Heldengeschichten beginnen nicht mit dem Erfolg, sondern mit Rückschlägen. Insofern gab die jüngste 0:5-Niederlage des FC Bayern gegen Borussia Mönchengladbach das schmerzhafte, aber stimmige Präludium für die neue Prime-Doku. Wie zuvor schon Sunderland, Manchester City, Juventus Turin, Borussia Dortmund und viele andere Vereine (auch aus Formel 1, American Football, Basketball) hat sich nun auch der deutsche Rekordmeister monatelang von Kameras verfolgen lassen.

Vieles an modernen Sportdokus erinnert an geschwärzte Akten im Untersuchungsausschuss: Brisant (und interessant) wäre das, was nicht gezeigt wird. Ausgespart werden in "Behind the Legend" insbesondere Konflikte, jene unter den Spielern ebenso wie jene in der Vereinsführung. Auch Management, Finanzplanung oder Trainings werden nur andeutungsweise gezeigt, etwa wenn man Sportvorstand Hasan Salihamidžić hier und da telefonieren sieht. Was? Mit wem? Worüber? Das wäre auch zu viel verlangt.

Schon besser gelungen ist in anderen Sport-Dokus das Storytelling: Auch wenn die erste Episode auf das Finale der Klub-WM in Katar hinsteuert, gelingt es nicht, eine fassbare Spannung aufzubauen. In diesem Punkt scheitert die Prime-Produktion am Erfolg der Bayern: Wer ohnehin (fast immer) gewinnt, bei dem funktionieren klassische Muster der Heldensaga nicht.

Wer die Bayern liebt oder hasst – dazwischen gibt es in der deutschsprachigen Fußballwelt bekanntlich wenig – findet in "Behind The Legend" trotzdem vieles, das bewegt. Etwa wenn Oliver Kahn, langjähriger Stamm-Torhüter und seit dem Frühjahr Vorstandsvorsitzender der Bayern, über seine Depressionen spricht: "Das FC-Bayern-Trikot wiegt ein paar Kilo mehr, weil die Legenden mit auf der Schulter sitzen.“ Das Fußball-Geschäft beschreibt er als pervers und der Sport habe sadistische Züge. Lassen kann er davon dennoch nicht.

Hier noch ein paar weitere Gustostücke der Prime-Produktion:

„Eigentlich habe ich gesagt, wenn die Kamera in die Kabine kommt, höre ich auf“ – Die Kamera war in der Kabine, Thomas Müller spielt noch. Apropos Müller: Über ihn erzählt Bayern-Legende Bastian Schweinsteiger, dass er keinen Spieler in seiner Karriere erlebt habe, der so nervt wie Müller – dem eine gewisse Redebegabung nachgesagt wird.

Thematisiert wird in der zweiten Folge auch der Abgang von Österreichs Nationalteamspieler David Alaba. Sein langjähriger Teamkollege und Spezl Frank Ribery spricht über ihn von „meinem kleinen Bruder“ und „ich liebe diesen Jungen.“ Wie süß.

„Wie gut ist denn dieser Haaland? Wie gut ist denn der? Morgen ruf ich seinen Berater an“, sagt Hasan Salihamidzic zur Teammanagerin, nachdem der Norweger im Dress des BVB den Bayern zwei Tore geschossen hat. Die Teammanagerin ergänzt: „Vorher schickst ihn aber zum Frisör.“

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