Sie sind gleich zu fünft zum Interview angetreten: Nicholas Ofczarek, Nina Proll, Robert Palfrader, Maria Hofstätter und Regisseur David Schalko sitzen wie aufgefädelt im Wiener Café Rüdigerhof und beantworten Fragen zum TV-Comeback des Jahres: „Braunschlag 1986“ wird in zwei abendfüllenden Filmen in den ORF zurückkehren (am 20. und 21. März, jeweils 20.15, ORF 1 und auf ORF On). Und das, obwohl man lange nicht an eine Fortsetzung geglaubt hat. Weil alles auserzählt war zur erfundenen Marien-Erscheinung, das dem fiktiven Braunschlag Touristenmillionen bescheren hätte sollen. Am Ende war dort alles atomar verseucht.

David Schalko sitzt da wie jemand, der eine verschüttete Weltkarte wieder aufgeklappt hat. „Die entscheidende Frage war, ob ich wieder zurückkehren konnte in diese Welt“, sagt er. „Fortsetzungen habe ich noch nie gemacht“. Und doch: „Ich fand erstaunlich schnell zurück nach Braunschlag“.

 Stefko Hanushevsky (Helfried), Maria Hofstätter (Herta Tschach) und Nina Proll (Elfi Pfeisinger)

Diesmal haben sich die Protagonisten, darunter Bürgermeister Tschach (Palfrader) und Discokönig Pfeisinger (Ofczarek), wieder was Neues einfallen lassen, um die Attraktivität des Ortes zu steigern. In Braunschlag wird das Jahr 1986 ausgerufen – es darf nur hinein, wer sich entsprechend geschmacklos kleidet und nur Technik der 80er-Jahre besitzt. Bezahlt wird in Schilling, selbstredend.

Manuel Rubey (Banyardi)
Manuel Rubey (Banyardi) © ORF/Superfilm

Es poppt die skurrile Vergangenheit auf: Waldheim, Tschernobyl, Schulterpolster. Nicholas Ofczarek: „Ich hab dieses Feeling sofort inhaliert – mit allem Positiven und Negativen.“ Disco-Bilder, Autos, Musik – und „diese gähnende Langeweile… wo du gewusst hast: das wirkliche Leben findet irgendwo anders statt.“ Im Fernsehen nur „FS1 und FS2“, kein Handy, kein Internet, keine Influencer. Eigentlich eine heile Welt? „Man denkt gerne an früher und verklärt, was damals war“, so Schalko. „Das war genau die Grundidee des Sequels“.

Robert Palfrader lacht über das, was man gern verdrängt: „Ich hatte vergessen, wie scheußlich die Mode damals war.“ Maria Hofstätter legt nach: „Damals war es eigentlich wurscht, wie man angezogen war.“ In der Social-Media-Gesellschaft von heute werde hingegen jedes Detail zur Währung, jede Pose zur Nachricht.

Nina Proll erinnert an Tschernobyl, nicht als Historienstunde, sondern als Nerv: Heute wäre das „Wumm“, sagt sie über die Nachrichtenlogik. Damals sei es „relativ träge gekommen“, der Schock aber real – Sandkisten wurden ausgehoben, Jugendlager abgesagt, überall dieses Unsichtbare, das man nicht sieht. Ein alter Herr habe seinerzeit behauptet, „Na, bei mir ist nichts. Ich habe geschaut.“

„Braunschlag 1986“ schiebt die Figuren nicht einfach in Retro-Kulissen, sondern zwingt sie, Gegenwart und Vergangenheit gleichzeitig zu spielen. Ist das neue Braunschlag politischer? Schalko winkt ab: „Nein, gar nicht.“ Eher seien „die politischen Umstände kleinteiliger“ geworden – es gibt neue Mächtige: Unternehmer, Milliardäre, Rechtspopulisten. Der Humor bleibt die schärfste Klinge in „Braunschlag 1986“. Ofczarek formuliert es so: „Humor ist immer ein Übergriff.“ Man lache, „wenn’s zu weit geht, weil der Mensch fehlerhaft ist – und man sich im Fehler erkennt“.

Regisseur David Schalko
Regisseur David Schalko © Imago

Für Schalko war es nicht einfach, alle 15 Darsteller der Originalserie wieder zugleich ans Set zu bringen. „Sie drehen alle viel und manchmal musste man in ein, zwei Tagen komplexe Szenen filmen, weil nur dann alle da waren“. Aber zur Fortsetzung überreden musste er niemanden, als er schon vor zwei Jahren einmal in die Runde fragte: „Ja, JA, JAAA“! So hat Palfrader auf die Anfrage reagiert. „Wir wollten alle dabei sein!“ 

Ofczarek und Palfrader sind also wieder ein kongeniales Duo, angetrieben von ihrer Hassliebe. Palfrader sagt: „Wir gehen uns schon auf die Nerven, aber wir lieben uns sehr.“ Ofczarek grinst und weiß: „Darin liegt die Komik dieser Serie: An der Dauer-Reibung“. Eine, die auch nach 14 Jahren noch bestens reibt. Für das Dorf Braunschlag und seine Bewohner der Beweis, dass manche Welten zwischenzeitlich nur zugedeckt waren.