„Sie gehen im dünnen, blassen Morgenlicht durch Altona. Vorbei an schmutzigen, zerfressenen, abblätternden Hauswänden . . .“ Ziel ist die Zeißstraße 74. Dort wohnt Fritz Honka, den alle Fiete nennen. Langsam schlurft er über die Stiegen in das Dachgeschoss. Es stinkt und Fliegen schwirren sonder Zahl durch die Luft.
Der Geruch und die Fliegen kommen von den Leichenteilen, die Honka in seiner Wohnung „versteckt“ hat. Ully Arndt hat an der Adaption von Heinz Strunks Roman „Der goldene Handschuh“ neun Jahre gearbeitet. Und wie Strunk selbst meint: „Ich glaube, dass das Ergebnis bei einem glatten Durchmarsch gut geworden wäre, aber nicht diese Tiefe und Qualität erreicht hätte.“ Arndt, der für das MAD-Magazin gezeichnet hat und aus dessen Studio die Ottifanten stammen, hat sich schon bei Erscheinen des Romans die Rechte gesichert. Arndt wohnt auch nur 437 Meter von Strunk entfernt – wie dieser im Nachwort verrät. Strunk hat die Entfernung selbst nachgemessen.
Abgewrackte Typen und Kriminelle
„Der goldene Handschuh“ ist eine Kneipe im Hamburger Stadtteil St. Pauli, ein Ort, wo sich Menschen wie „Soldaten-Norbert“ oder „Fanta-Rolf“ herumtreiben, abgewrackte Typen, Kriminelle und andere. Es ist kein Ort für Träumereien, es ist ein brutale Welt von Suff, Gewalt, Verwahrlosung und Exzess. Comickünstler Arndt setzt sich gleich am Beginn seiner Graphic Novel an den Tisch der Kneipe. Es ist ein Stoff, der lange an den Gedanken kleben bleibt. Fiete ist ein Sadist, ein brutaler Serienmörder, der seine Opfer im Trinkermilieu sucht. Arndt liefert mit „Sommer der Liebe“ einen ersten Teil ab, der sehr komplex und inhaltlich dicht geworden ist. Er nutzt Strunks eigenwillige Sprache meisterhaft für seine Sprechblasen. „Der goldene Handschuh“ ist eben im Carlsen-Verlag erschienen und kann als eigenständiges Werk neben dem Roman bestehen. Die Geschichte ist starker Tobak, den man nicht mehr so leicht abschüttelt. Sie zeigt aber auch, wie sehr dieses St. Pauli der 70er auf einem Morast aus Suff und Kriegs-Geschichten, Sadismus und Selbstzerstörung gebaut ist. Dass man aber den Titel „Sommer der Liebe“ für ein Buch über einen Frauenmörder wählt, muss entschieden kritisiert werden.