Unter dem Motto „Von Autokraten bedroht, von Konzernen gekauft“ fand auch heuer am Mittwoch wieder der österreichische Journalistinnenkongress statt. Die heimische Medienlandschaft sieht sich dieses Jahr mit umfangreichen Kündigungswellen konfrontiert, die sämtliche österreichische Medienhäuser betrifft. Umso wichtiger ist es, einen Ort zu schaffen, in dem nicht Konkurrenz, sondern Zusammenhalt und Austausch im Mittelpunkt stehen.
Im Zeichen der Demokratie
Dort, wo sonst meist Männer dominieren - im Haus der Industrie am Schwarzenbergplatz - waren an diesem Mittwoch im November fast ausschließlich Frauen vertreten. Am Podium wurde über die Verteidigung der Demokratie, über Journalismus in illiberalen Demokratien und die Herausforderung durch große Tech-Konzerne diskutiert. Warum Gendern nicht nur Symbolpolitik, sondern zu einem Politikum geworden ist und wie die junge Generation - also die Gen Z - den Journalismus neu denken kann, waren weitere Themen des Vormittags.
Ein besonderes Highlight war die Podiumsdiskussion über die Rolle des Journalismus in illiberalen Demokratien – etwa in Ungarn. Mirjana Tomic vom Presseclub Concordia moderierte das Gespräch mit der slowakischen Journalistin Sona Weissova und der ungarischen Reporterin Noémi Martini. Nur wenige Stunden entfernt von Wien und doch völlig andere Bedingungen: Die erst 29-jährige Martini berichtete von regierungsnahen Medien, die offen Oppositionsparteien mit KI-generierten Bildern diffamieren. „Umso wichtiger ist es, dass es unabhängige Berichterstattung gibt, die nicht von den Geldern der Regierung finanziert werden“, betonte Martini, die für eine der ältesten unabhängigen Nachrichtenplattformen Ungarns arbeitet. Trotz der prekären Arbeitsbedingungen schloss sie die Podiumsdiskussion mit den optimistischen Worten: „Die Oligarchen dieser Welt werden nicht ewig leben - wir werden sicher älter als sie. Deshalb müssen wir dran bleiben - wir haben den besten Job der Welt!“
Zusammenhalt statt Konkurrenzdenken
Entgegen der Erwartung war die Stimmung am Journalistinnenkongress optimistisch - fast ausgelassen. Die Quintessenz des Tages war klar: Ellbogentaktik bringt in Zeiten wie diesen nichts - viel mehr müsse man zusammenstehen, um gemeinsam gestärkt aus der Krise zu gehen. Ob der Journalismus für junge Menschen noch ein Beruf mit Zukunftsaussicht ist, antwortet Barbara Toth von der Wochenzeitung „der Falter“ ohne zu Zögern: „Es wird immer Journalistinnen brauchen und es gab bereits Krisen wie diese in der österreichischen Medienlandschaft. Wo ein Wille, da ein Weg“.
Medienlöwin: Auszeichnung für Falter-Journalistin
Traditionell wird die Mediengala jedes Jahr am Vorabend des Journalistinnenkongresses abgehalten, um herausragende journalistische Leistungen auszuzeichnen. Dieses Jahr wurde die Chefreporterin Nina Horaczek der Wiener Wochenzeitung „Der Falter“ mit der goldenen Medienlöwin ausgezeichnet, die sich mit Themen wie Rechtspopulismus, Migration und Frauenrechten auseinandersetzt. Die silberne Medienlöwin ging an die ORF-Journalistin Veronika Mauler für ihre Ö1- Reportage zu Armut unter älteren Frauen. Der Teampreis des „Medienlöwen“ geht an die Redaktion von orf.at unter der Leitung von Julia Ortner. Das Team rund um Ortner wurde für seine feinfühlige Berichterstattung zum Fall Pelicot ausgezeichnet.