Während kleine (und größere) Monster heute Nacht um die Häuser ziehen, schreit es auch im Streamingsektor nach Saurem. Auf Netflix wird die morbide Schaulust seit ein paar Wochen mit der dritten Staffel von „Monster“ gestillt – der Horror-Anthologie von Ryan Murphy, die Serienkiller in den Fokus rückt. Protagonist der neuen Staffel: Ed Gein, berüchtigter Leichenschänder, dessen Werdegang fragwürdig romantisiert wurde. Was man nicht ausspart, sind die Spuren, die der reale Gein im Gruselkino hinterlassen hat.

Gruselige Inspiration für Hollywood

Sein Wahn war Vorbild für prominente Killer der Filmgeschichte: etwa für Norman Bates, den ödipalen Psychopathen aus der Feder Hitchcocks, oder das Kettensäge schwingende Monstrum mit einer aus Menschenteilen zusammengeflickten Maske: Leatherface aus dem lange indizierten „Texas Chainsaw Massacre“ (leihbar über Amazon Prime) von Tobe Hooper.

Monster: The Ed Gein Story. (L to R) Charlie Hunnam as Ed Gein, Suzanna Son as Adelina in episode 302 of Monster: The Ed Gein Story. Cr. Courtesy Of Netflix © 2025
Charlie Hunnam und Suzanna Son in „Monster: The Ed Gein Story“ auf Netflix © Netflix

Beide sind Filme, die zu ihrer Veröffentlichung als grenzüberschreitend galten, aber wegweisend für ein wichtiges Subgenre waren: den Slasher. Das ist die Sorte Film, die ihrer billigen Mittel wegen oft in die filmische B-Kategorie verfrachtet wird. In seinen besten Momenten war der Slasher aber mehr als nur eine Verkettung plumper Metzeleien. Im Gegenteil: In seiner Ursprungsform gibt es auch überraschende Schnittpunkte zu Österreich.

Der Kaiser am Slasher-Thron

Für den mutmaßlich ersten Kinomeuchler holte sich Michael Powell 1960 Karlheinz Böhm, der früher an der Seite von Romy Schneiders Sissi den Kaiser Franz gab, vor die Linse. Und drückte auch ihm eine Kamera in die Hand. Als voyeuristischer „Peeping Tom“ (auf Joyn kostenlos streambar) filmte Böhm den letzten Atemzug seiner Opfer, ehe er diese erdrosselte. Ein brillant perfides Spiel mit der Sensationsgier des Publikums.

Black Christmas 1974 - filmstill Olivia Hussey in Black Christmas 1974 - - - EDITORIAL USE ONLY Copyright: xCAP/NFSx
 Olivia Hussey 1974 in „Black Christmas“ © Imago

Worauf sich Theoretiker beim Slasher bis heute nicht einigen können, ist die Position des sogenannten „Final Girl“. Der einzigen – in der Regel weiblichen – Überlebenden, die sich nach erlebter Tortur dem Killer stellt. Die einen lesen diese Figur aufgrund häufig einhergehender Sexualisierung als misogyn. Andere erkennen feministisches Potenzial. Letztlich, muss man sagen, eine Frage des Films. Einer der frühesten Vertreter – erschienen noch vor dem angeblichen Genre-Urvater „Halloween“ (auf Amazon Prime) – ist in dieser Hinsicht gut gealtert.

In „Black Christmas“ (ebenfalls auf Prime) aus dem Jahr 1974 nistet sich zur Festtagszeit ein Schlächter in eine Studentenverbindung ein. Ihre Kommilitoninnen werden der Reihe nach aus dem Verkehr gezogen, nur sie bleibt standhaft: Jessy, verkörpert von der letztjährig verstorbenen Olivia Hussey, die sich klug und selbstbestimmt zur Wehr setzt.

2003 - Freddy vs Jason - Movie Set PICTURED: ROBERT ENGLUND as Freddy Krueger. RELEASE DATE: 15 August 2003. MOVIE TITLE: Freddy vs. Jason - STUDIO: New Line Cinema. PLOT: Freddy Krueger and Jason Voorhees return to terrorize the teenage population. Except this time, they re out to get each other, too. !ACHTUNG NUTZUNG NUR BEI FILMTITEL-NENNUNG! PUBLICATIONxINxGERxONLY 20030815_prc_g90_630.jpg

2003 Freddy VS Jason Movie Set Pictured Robert Englund As Freddy Krueger Release Date 15 August 2003 Movie Title Freddy VS Jason Studio New Line Cinema Plot Freddy Krueger and Jason Voorhees Return to terrorize The Teenage Population except This Time They right out to Get each Other Too Regard Use only at FILMTITEL ANSWER PUBLICATIONxINxGERxONLY 20030815_prc_g90_630 JPG
Robert Englund als Freddy Krueger (“Freddy vs. Jason“, 2003) © Imago

Die Trendsetter des Genres

Vorwürfen der Eintönigkeit kann das Genre nicht ausweichen. Allerdings gab es einen Mann, der das simple Grundkonzept gleich zweimal mit großem Kassenerfolg revolutionierte. Wes Craven war der Erfinder von (Alb-)Traumfänger Freddy Krueger und Maskenkiller Ghostface, der in unterschiedlicher Gestalt seit fast 30 Jahren Telefonterror betreibt. Was sie neben dem hohen Body-Count gemeinsam haben: Beide haben die Lebensdauer des Genres nach kreativen Tiefpunkten verlängert.

Die „Nightmare“-Reihe (leih- und kaufbar über Amazon und Sky) erforschte Ängste der Teenies in Szenarien, wo diese denen nicht entfliehen konnten: im Unterbewusstsein. „Scream“ (alle Teile auf Paramount+ streambar) markierte den Moment, als sich Handlungstragende bewusst wurden, in einem Horrorfilm zu sein. Selbstreferentieller Meta-Spaß, der sein Genre – im Gegensatz zu neumodischen Varianten – trotzdem ernst nahm.

Gruselhommage in Gelb

Wem die Blutfontänen zu viel werden, kann auf harmlose Parodien ausweichen. Jene der „Simpsons“ (auf Disney+) sind dem Genius der Originale oft erschreckend nahegekommen. Ob mit Hausmeister Willie als Freddy Krueger oder einem alkoholarmen Homer, der zum Axt-jonglierenden Jack Torrance aus „The Shining“ mutiert. So können selbst Angsthasen die Klassiker komprimiert nachholen. Es muss ja nicht immer der große Grusel sein.