„Jack the Ripper“ oder der „Zodiac“-Killer sind nur zwei der berühmtesten Serienmörder, denen Filme und Serien gewidmet wurden. Die Lust an den Abgründen menschlichen Daseins hält angesichts des True-Crime-Booms in Podcasts, Filmen, Serien und Büchern weiter an. Besonders spannend ist es, wenn die Verbrechen unaufgeklärt sind, das Motiv unklar bleibt oder von dem oder den Tätern bis heute jegliche Spur fehlt. Wir haben gruselige True-Crime-Verbrechen und passende Streaming-Tipps zusammengestellt.
Das „Monster von Florenz“ (1968 bis 1985)
In Angst und Schrecken versetzten die Doppelmorde des „Monsters von Florenz“ Italien zwischen 1968 und 1985. 14 Menschen, mit einer Ausnahme nur Liebespaare, wurden in der Toskana auf grausame Art ermordet. Schnell etablierte sich der Spitzname „Monster von Florenz“ für den Täter, da alle Taten im Umkreis von maximal 38 Kilometern um die toskanische Hauptstadt passierten. Alle Opfer wurden mit einer Beretta vom Kaliber 22 erschossen. Die ermordeten Frauen wiesen zudem Stichverletzungen im Brust- und Genitalbereich auf.
Alles beginnt mit dem Mord an einem Liebespaar im August 1968. Barbara Locci und Antonio Lo Bianco wurden in ihrem Auto aus nächster Nähe mit acht Schüssen getötet. Schnell gerät Stefano Mele, Barbara Loccis Ehemann, unter Tatverdacht. Schließlich gesteht er und wird zu 16 Jahren Haft verurteilt. Dass es einen möglichen Zusammenhang mit anderen Doppelmorden gibt, die dem „Monster von Florenz“ zugeschrieben werden, kommt erst 14 Jahre später, nach einem weiteren Doppelmord 1982, heraus.
Doch zunächst deutet für die Ermittler nichts auf einen Serienkiller hin. Erst als zwischen 1974 und 1985 insgesamt sieben weitere Doppelmorde, darunter sechs Liebespaare, ermordet werden, ist klar, dass es einen Serienkiller gibt. Schnell hat er den Namen „Monster von Florenz“. Auffällig ist: Der Täter verstümmelt den Brust- und Genitalbereich seiner weiblichen Opfer auf grausame Weise.
Nur ein einziger Doppelmord fällt aus der Reihe heraus. Wohl aus Versehen, weil es sich um zwei Männer handelte und kein Liebespaar, fallen die deutschen Touristen Uwe Jens Rusch und Horst Meyer dem „Monster“ zum Opfer. Rusch hatte lange, blonde Haare.
Einen Zusammenhang zwischen den Fällen und dem Mord von 1968 finden die Ermittler nach einem Doppelmord im Juni 1982. Eine am Tatort gefundene Patronenhülse wurde aus derselben Waffe abgefeuert wie beim wohl allerersten Liebespaar-Mord 1968. Die letzten bekannten Opfer wurden im September 1985 ermordet. Im Anschluss an diesen Mord, schickt der Täter der Staatsanwaltschaft einen Brief, in dem ein Stück von der Brust des Opfers beiliegt.
Schließlich geriet Pietro Pacciani ins Visier der Ermittler. Bei einer Hausdurchsuchung wurde eine Kugel des Kalibers 22 gefunden. Er wurde 1994 für sieben der acht Morde für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein Berufungsgericht hob die Verurteilung 1996 auf, wegen zu geringer Beweislast. Für die Ermittler steht allerdings fest, dass es sich nicht um einen Einzeltäter, sondern um eine „Monster von Florenz“-Mörderbande handelt. 1998 wurden Mario Vanni und Giancarlo Lotti wegen einiger der Morde verurteilt. Sie sind inzwischen gestorben. Im selben Jahr, wurde auch Pacciani tot in seinem Haus gefunden, bevor ein erneutes Gerichtsverfahren gegen ihn starten konnte. Die Tatwaffe bleibt verschwunden. Ungeklärt ist auch, wer den ersten Mord 1968 begangen hat. Gerüchte, dass es bislang unbekannte Hintermänner gebe, die die Morde beauftragten, halten sich bis heute.
Netflix hat dem „Monster von Florenz“ eine eigene Serie gewidmet. Erzählt wird die Story unter anderem aus der Perspektive der Staatsanwältin Silvia Della Monica (gespielt von Liliana Bottone), die als einzige Frau in der Ermittlergruppe 1982 eine Verbindung zu einem Fall aus dem Jahr 1968 zieht.
Der „Long Island Killer“ (1996 bis 2010)
Als „Long Island Killer“ oder „Dünenmörder“ wurde ein Serienmörder 2011 bekannt, der zwischen 1996 und 2010 möglicherweise bis zu 16 Frauen getötet haben soll. Die meisten der Opfer arbeiteten als Escortdamen. Die Frauen hatten alle gemein, dass sie ihre Dienste auf „Craigslist“ anboten. Nach der Tat wurden die Leichen entlang des Ocean Parkway in der Nähe von Gilgo Beach, Oak Beach und Jones Beach State Park entsorgt. Im Dezember 2010 war das erste Opfer des oder der Mörder entdeckt worden.
Die Ermittler gingen zunächst davon aus, dass es möglicherweise bis zu drei Männer sein könnten, die die Taten begangen haben. Ins Rollen kam der Fall durch einen Notruf bei der Polizei. Eine junge Escort-Begleiterin hatte den Notruf gewählt und geschrien „Hilfe, er will mich umbringen.“ Als die Polizei eintraf, war die junge Frau verschwunden. Als nach ihr gesucht wurde, stießen die Ermittler auf eine erste Leiche.
Allerdings nicht die der Frau, die den Notruf abgesetzt hatte, der 24-jährigen Shannan Gilbert. Ihre Leiche wurde 2011 in einem Sumpfgebiet gefunden. Die Ermittler gehen daher davon aus, dass sie ertrunken ist und nicht ermordet wurde.
Lange führten die Ermittlungen ins Leere. Bis es 2022 zu einer entscheidenden Wendung kam. Eine neue Task-Force hatte entscheidende Hinweise in den Akten dank neuer Methoden kombinieren können. Schließlich überführte eine DNA-Probe den Verdächtigen Rex Heuermann. 2024 wurde er wegen sieben Morden angeklagt. Er wartet noch auf seinen Prozess.
Der „Zodiac Killer“
Bis heute ungeklärt ist die Identität des „Zodiac Killers“, der zwischen 1968 und 1969 im Raum San Francisco für mindestens fünf grausame Morde an jungen Paaren verantwortlich gemacht wird. Berühmt wurde der „Zodiac Killer“ durch seine verschlüsselten Briefe, die er nach den Morden an verschiedene Lokalzeitungen schickte. Seinen Spitznamen „Zodiac Killer“ (englisch für Sternzeichen) erhielt er durch die astrologischen Symbole, die er in seinen Briefen verwendete. Ein Teil der Briefe konnte entschlüsselt werden. So soll in einem der Briefe auch sein Motiv stehen. „Ich töte gern Menschen, weil es so viel Spaß macht“. Seither versuchen Polizei und FBI, die Identität des Serienkillers zu ermitteln.
Neben dem Spielfilm „Zodiac - Die Spur des Killers“ von 2007 und der Dokuserie „This is the Zodiac Speaking“ (beide zu sehen auf Netflix) widmet sich eine vierteilige Dokuserie „Zodiac - Mein Vater, der Killer“ dem Fall. Die vierteilige True-Crime-Doku basiert auf dem gleichnamigen New-York-Times-Bestseller. Ein Mann begibt sich darin auf die Suche nach seinem Vater, der die Familie verlassen hat. Bei seiner Suche stößt er auf ein schreckliches Geheimnis: Er glaubt, dass sein Vater der Zodiac-Killer ist. Zu sehen auf Disney+
„Der Säurefassmörder von Hamburg“
Der Hamburger Lutz Reinstrom gilt als freundlicher Mann, er führt ein unauffälliges Familienleben. Doch der gelernte Kürschner hat noch eine dunkle Seite. Er hat zwischen 1986 und 1988 zwei Frauen auf bestialische Weise umgebracht und ihre zerstückelten Leichen in Salzsäure aufgelöst. Ein drittes Opfer lässt er frei. Lange bleiben die Morde unentdeckt. Obwohl er aus seinen sadomasochistischen Neigungen in der Öffentlichkeit keinen Hehl macht.
Die Taten lesen sich wie aus einem Horrorfilm: Sein erstes Opfer bringt er unter Zwang in einen selbstgebauten Bunker, den Reinstrom in seinem Garten angelegt hat. In Zeiten des Kalten Krieges ist es nichts Ungewöhnliches, dass sich Privatleute einen Bunker bauen. Jedoch erweitert Reinstrom unerlaubterweise den Bunker um einen zusätzlichen Raum. Eine Woche lang quält er sein erstes Opfer, eine 61-jährige Frau, auf bestialische Weise. Während dieser Zeit bestiehlt er sein Opfer. Mit erzwungenen Briefen an ihre Verwandten soll der Eindruck erweckt werden, die 61-Jährige habe ihren Mann verlassen und sich abgesetzt. Nachdem Reinstrom die Frau schließlich getötet hat, zerstückelt er die Leiche und löst sie in Salzsäure auf. Die Fässer betoniert er im Garten ein.
Das Martyrium seines zweiten Opfers dauert einen Monat lang. Dieses Mal sucht sich Reinstrom eine 31 Jahre alte Frau als Opfer aus, die er sexuell missbraucht und foltert. Auch hier täuscht er die Angehörigen mit erzwungenen Briefen über das Verschwinden der Frau. Auch beginnt er Tonaufnahmen und Fotos von seinem Opfer zu machen und die Qualen zu dokumentieren. Nach der Ermordung der 31-Jährigen versteckt er die zerstückelte Leiche ebenfalls in Fässern, die er im Garten seines Ferienhauses vergräbt.
Sein drittes Opfer tötet er nicht, sondern will von der Familie Lösegeld erpressen. Er droht aufzufliegen und lässt die Frau frei. Da sie den Täter sowie den Bunker beschreiben kann, wird Lutz Reinstrom schließlich überführt und angeklagt. Allerdings zunächst nur wegen Entführung. Es wird noch dauern, bis die Polizei sein dunkles Geheimnis entdeckt.
Die Geschichte des Hamburger „Säurefassmörders“ wurde unter dem Titel „German Crime Story: Gefesselt“ verfilmt. Die 6-teilige Serie gibt es auf „Amazon Prime Video“.
„Son of Sam“
Spannung verspricht auch die True-Crime-Reihe „Sons of Sam“, die sich mit dem Serienkiller David Berkowitz auseinandersetzt. Der damals 22-Jährige hat zwischen 1976 und 1977 in New York mindestens sechs Menschen getötet und sieben schwer verletzt. Als Berkowitz, der nach seiner Geburt zur Adoption freigegeben wurde, herausfindet, dass seine Mutter noch lebt, löst das etwas in ihm aus. Weihnachten 1975 begeht er seine erste Tat, er verletzt in der New Yorker Bronx zwei Frauen mit einem Messer.
Seinen ersten Mord begeht Berkowitz im Juli 1976. Wahllos wählt er seine Opfer - meist Paare in Autos - aus. Er erschießt sie aus seinem Auto heraus, während er durchs nächtliche New York fährt. Er erschießt sie mit einem Revolver mit dem Kaliber 44. Zu seinen Taten inspiriert haben sollen ihn der Zodiac-Killer, Jack the Ripper sowie der 1976 erschienene Film von Martin Scorsese „Taxi Driver“. Besonders die willkürliche Wahl der Opfer versetzt New York Mitte der 1970er in Angst und Schrecken.
Gleichzeitig sucht Berkowitz die Öffentlichkeit, schreibt mehrere kryptische Briefe an ausgewählte Journalisten. Darin charakterisiert er sich als Monster als „Son of Sam“, der sich satanischen Kulten verschrieben habe.
Netflix widmet dem Thema gleich zwei True-Crime-Formate. Einmal die Mini-Serie „The Sons of Sam: Ein Abstieg in die Dunkelheit“, die die Geschichte aus der Perspektive des fiktiven Journalisten Maury Terry erzählt, der einen Brief von Berkowitz erhält, und sich bei seiner Recherche in immer tiefere Abgründe begibt. Und schließlich überzeugt ist, es gibt mehr als einen „Son of Sam“.
In der True-Crime-Doku „Son of Sam: Selbstporträt eines Serienmörders“ wird der Serienkiller porträtiert. Gezeigt werden bislang unveröffentlichte Tonaufnahmen aus dem Gefängnis. Zudem kommen Ermittler, Überlebende und Journalisten zu Wort, denen Berkowitz damals Briefe schickte.