Wer mit ESC-Fans querbeet in Europa spricht, hört stets dasselbe: „Ich habe sowohl in Innsbruck als auch Wien ein Zimmer reserviert – jeweils für die Woche vor dem 16. Mai und für die Woche vor dem 23. Mai!“ Denn die Verlautbarung der Gastgeberstadt des 70. Eurovision Song Contest wird ja noch dauern: Mitte August (frühestens am 8. 8.) darf damit gerechnet werden. Mit der Bewerbungsfrist – 4. Juli um 12.00 Uhr – ist das Match eingeläutet, nach der sich eine (namentlich noch geheime) Jury mit den Einreichungen befassen wird. 2014 setzte der damalige ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz Wien 2015 durch, während sich sein Kaufmännischer Direktor Richard Grasl für Innsbruck eingesetzt haben soll. Graz war in der letzten Phase damals schon aus dem Rennen, wie sich Insider erinnern, auch wegen der zu niedrigen Stadthalle und mangelnder Bettenkapazität.

Kommentar von Hubert Patterer

54 Seiten umfasst das Anforderungspapier des ORF für den ESC 2026 (wahrscheinlichstes Finaldatum: 23. Mai), das man den interessierten Städten zukommen ließ. Auffällig: 2015 organisierte der ORF fast alles selbst, nun muss die Gastgeberstadt viele Dinge übernehmen – wie die Kosten für die hohen Sicherheitsmaßnahmen und für das Eurovision Village (wo in der Finalwoche täglich Konzerte stattfinden), für die Organisation der Volontäre, für die Eröffnungszeremonie etc.

Die Voraussetzungen für den ESC 2026

Kernanforderung bei der Halle: „Idealerweise 10.000 Sitzplätze und 2500 Stehplätze“, heißt es. Es sei aber davon auszugehen, dass aufgrund des Bühnendesigns und des Green Rooms für die Teilnehmer nur rund zwei Drittel der Sitzplätze sowie die Hälfte der Bodenfläche für das Publikum zur Verfügung stehen. In der Baseler St. Jakobshalle war daher auch nur für 6500 Besucher Platz.

Insgesamt werden die Kosten vom ORF, der Host City, den Gebühren für die teilnehmenden Länder (rund sechs Millionen Euro), den Ticketeinnahmen (es werden ja nicht nur die drei Live-Shows, sondern auch die Generalproben verkauft) sowie von den Sponsoren getragen. „Den größten finanziellen Nutzen der Veranstaltungen hatten in den letzten Jahren immer die jeweiligen Host Cities“, schreibt der ORF in dem Papier. Und führt als Beispiel Liverpool 2023 an, das von rund 500.000 Besuchern profitierte und durch den ESC rund 55 Millionen Pfund Umsatz zusätzlich generierte.

Eurovision Song Contest in Luxemburg Sieger Udo Juergens mit Mercie Cherie  1966
Erster Sieg für Österreich: Udo Jürgens 1966 mit „Merci Cherie" © Votava

Im Vergleich zum früheren Concours Eurovision de la Chanson ist der ESC längst mehr als eine Mega-TV-Show mit heuer 166 Millionen Zuschauern. Schon in den Wochen davor beschäftigt sich eine globale Community damit in den Sozialen Medien. YouTube und TikTok sind fleißige Mitspieler.

2015 reisten mehr als 1500 Journalisten nach Wien. Die 40 teilnehmenden Nationen vereinten 1269 Delegierte in der Wiener Stadthalle. Wer damals dabei war, lobt noch heute die Organisation und die Show mit der tollen Bühne und dem „Kugelballett“. Die Latte liegt hoch!

Für sein Team 2026 hat ORF-Generaldirektor Roland Weißmann seinen Vertrauten Michael Krön (TV-Chefproducer des Hauses) als Gesamtleiter nominiert, Oliver Lingens wird als Event-Manager Koordinationsaufgaben übernehmen. Stefan Zechner, der seit 2011 die österreichischen ESC- Delegationen geleitet hat und 2015 TV-Show-Producer des Song Contests in Wien war, wird diese zentrale Funktion erneut übernehmen. In bewährten Händen liegen die Kommunikationsaufgaben rund um den ESC mit Roman Horacek als Head of Press.

Mar 06, 1966 - Luxembourg, Luxembourg - UDO JURGENS with FRANCE GALL at the Annual Eurovision Grand Prix where Udo won an award for his song Merci Cheri .. Luxembourg Luxembourg PUBLICATIONxINxGERxONLY - ZUMAk09
France Gall gratulierte 1966 Sieger Udo Jürgens © IMAGO