Zwei Sender, zwei Herangehensweisen, ein Thema. ServusTV hatte schon vor drei Wochen mit einem Themenschwerpunkt an den Beginn der Coronapandemie in Österreich vor fünf Jahren informiert. Die im Titel („Die Angstmacher“) angekündigte Abrechnung mit Politik, Wissenschaft und Medien, wurde im Servus-Film umfassend eingelöst. Der Sukkus: Vorsichtsmaßnahmen wie die in der Doku so genannten „nachweislich unwirksamen Masken“ seien letztlich Maßnahmen für die Sicherstellung von Macht und Kontrolle gewesen. Beim Publikum kam das an: Die Dokus hatten in der linearen Ausstrahlung mehr als 100.000 Zuschauer und lagen beim Marktwert über dem Senderschnitt.

Corona-Doku auf ServusTV mit Martin Haditsch, Klaus Stöhr und Monika Gruber
Corona-Doku auf ServusTV mit Martin Haditsch, Klaus Stöhr und Monika Gruber © ServusTV

Die Zurückhaltung des ORF-Fernsehens gab der Chef persönlich vor. Roland Weißmann wies in diversen Interviews vor einigen Wochen auf Fehlentscheidungen des Senders hin, allen voran die Corona-Lotterie. Den TV-Schwerpunkt setzt der ORF erst jetzt, zum Jahrestag des Corona-Lockdowns, in den Mittelpunkt rückt man, anders als ServusTV, nicht die Provokation, sondern das Gemeinsame.

Nicht zustande kam eine Corona-Diskussion des ORF Niederösterreich in einem Gasthaus in Zwettl. Ausgerechnet im Rahmen von „Ein Ort am Wort“, jenem ORF-Diskussionsformat, das beitragen will, die Menschen wieder ins Gespräch zu bringen, wurde dann doch nicht geredet. Auf die Einladung von Maßnahmengegner und Corona-Leugner Martin Rutter reagierten ein Virologe und ein Intensivmediziner mit einer Absage. „Das zeigt, dass das Thema immer noch sehr emotionalisiert“, beobachtet Barbara Stöckl und erklärt, dass sie selbst keinen Gast in die Sendung einladen würde, der die Existenz der Pandemie infrage stellt: „Ein gemeinsames Verständnis einer Faktengrundlage ist für einen Dialog wichtig, wie ich ihn führen möchte. Die Kollegen des ORF Niederösterreich hatten ein anderes Konzept, wollten alle Sichtweisen an einen Tisch bringen.“ In „Stöckl live“ lässt sie Betroffene und Experten über Sorgen, Ängste, Wirkungen und Nebenwirkungen sprechen, darunter Maria Paulke-Korinek, Leiterin der Abteilung Impfwesens.

Sie wolle Ängste nehmen und auch Fehler klar benennen, sagt Stöckl, „etwa, was das Thema Impfpflicht oder auch Schulschließungen betrifft.“ Unterschiedliche Sichtweisen in die Sendung zu holen, sei ihr wichtig, oft sei das Zuhören wichtiger als das Rechthaben. „Ich lasse Konfrontation gerne zu, werde aber nicht zündeln, das ist nicht meine Art! Die ExpertInnen im Studio sind da, um einzuordnen“, betont die 61-Jährige, die seit 1981 als Fernsehjournalistin tätig ist.

Dem Corona-Informationsbedürfnis kam Stöckl auch vor fünf Jahren nach: In diversen Formaten - von „Stöckl live“ bis „Bewusst gesund“ – bot sie im März 2020 dringend nachgefragte Informationen. „Was bedeutet das Coronavirus für unser Leben?“, stellte sie Fragen der körperlichen und seelischen Gesundheit in den Mittelpunkt. Dem Hinweis, dass das ORF-Fernsehen vergleichsweise spät in den Erinnerungsreigen einsteigt, widerspricht sie. Die Sender hätten unterschiedliche Jahrestage gewählt. Wichtiger sei ohnehin: „Das Thema begleitet uns noch lange, jeder Zeitpunkt ist richtig!“