Die schmerzlichen Gefühle beim Zerbrechen einer Beziehung haben einem jungen Außenseiter den Sieg beim größten und ältesten Musikbewerb Italiens beschert, der sich an der Blumenriviera traditionell über fünf lange Abende zieht: Das TV-Publikum, eine Presse- und eine Radiojury kürten den 23-jährigen Sänger Olly zum Gewinner mit dem Lied „Balorda nostalgia“. Der aus Genua stammende Olly hatte bereits vor zwei Jahren in der Nachwuchskategorie für junge Talente am Sanremo-Festival teilgenommen. Mit seinem Sieg im Hauptbewerb gegen 28 Konkurrenten hatten heuer nur wenige gerechnet: „Es ist absurd, aber es ist geschehen: Ich habe gewonnen“, freute sich der überglückliche Künstler, der Musik, Gesang und Wirtschaft studiert.
Als Favoritin hatte die 53-jährige Römerin Giorgia mit einer eleganten Power-Ballade gegolten; im Teilnehmerfeld waren etliche populäre und erfahrene Größen der Branche – wie Massimo Ranieri, Francesco Gabbani und Marcella Bella. Viele Stars der italienischen Popszene schafften in Sanremo den Durchbruch – wie etwa Zucchero, Eros Ramazzotti und Laura Pausini. Das „Festival della canzone italiana“, so der offizielle Name, ist der älteste Popmusik-Wettbewerb Europas. Seit 1951 findet der Event jedes Jahr im Winter statt – und beschert dem öffentlich-rechtlichen Sender RAI oft Rekordeinschaltquoten. Diesmal mit der britischen Kultband Duran Duran unter den internationalen Gästen.
Der Sanremo-Sieg bringt gleichzeitig das ESC-Ticket mit sich. Olly (bürgerlich: Federico Olivieri) wird nun Italien mit „Balorda nostalgia“ („Dumme Nostalgie“) im Mai beim Eurovision Song Contest in der Schweiz vertreten. Das lyrische Ich im teils bitteren Text der nostalgischen Ballade hofft auf die Rückkehr des geliebten Partners, erkennt jedoch, dass es vorbei ist. Alles erinnert an die Abwesenheit der Liebe. Die seinem Leben einen Sinn gab.