Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

StudieSchweizer Kunstsammlung mit Waffenexporten an Nazis finanziert

Der 1956 gestorbene Unternehmer Emil Georg Bührle wurde dank Geschäften mit NS-Deutschland zum damals reichsten Mann der Schweiz. Nach dem Krieg wurde der Geschäftsmann zu einem der wichtigsten Kunstsammler der Welt.

Das Kunsthaus Zürich will Teile der Bührle-Sammlung zeigen ©  imago/CHROMORANGE
 

Rubens, Cézanne, van Gogh, Degasse, Picasso, El Greco, Renoir und viele andere: Die Sammlung Bührle ist eine der feinsten der Welt. in einer Erweiterung des Zürcher Kunsthauses sollen Werke der Sammlung der Öffentlichkeit zugängich werden. Doch eine Studie wirft einen schwarzen Schatten auf diese Kunst:  Waffenexporte und der Aufbau seiner Kunstsammlung waren beim umstrittenen Unternehmer Emil Bührle gemäß einer neuen Studie der Universität Zürich aber eng miteinander verflochten. Die am Dienstag präsentierte Studie geriet schon vor Veröffentlichung in die Kritik. Waffengeschäfte mit Nazi-Deutschland machten den aus Deutschland stammenden Bührle zum damals reichsten Mann der Schweiz. Eine Studie unter Leitung des Historikers Matthieu Leimgruber untersuchte die Verflechtungen und Wechselwirkungen von Waffen, Geld und Kunst. Leimgrubers Fazit zum Zusammenhang zwischen Waffen und Kunst fällt deutlich aus: "Ermöglicht wurde der Aufbau dieser Kunstsammlung von Weltrang durch den immensen Reichtum, den Bührle vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg durch Waffenexporte angehäuft hatte."

Die Studie zeichnet ein Bild von Bührle als gnadenlosen Opportunisten. So belieferte er mit seiner Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon (WO) in den Zwischenkriegszeit zuerst Deutschland mit Flugabwehrkanonen. Während des Kriegs verkaufte er dann zuerst den Alliierten Kanonen für rund 60 Millionen Franken, nach der Niederlage Frankreichs wurden wiederum Deutschland und die Achsenmächte für etwa 540 Millionen Franken beliefert. Als sich die Niederlage des nationalsozialistischen Deutschlands abzuzeichnen begann, schlug sich der Waffenproduzent wieder auf die Seite der Alliierten.

Verdacht auf Raubkunst-Herkunft

Auffällig ist laut der Studie, dass Bührles Tätigkeit als Kunstsammler zeitlich und geografisch mit seinen Geschäften zusammenfiel. Solange er Deutschland belieferte, erwarb er auch Kunstwerke über deutsche Kontaktpersonen. Als Beispiel nannte Leimgruber ein Gemälde, welches sich im Besitz eines jüdischen Galeristen befand, der in Paris lebte. Die Nationalsozialisten beschlagnahmten das Bild und es gelangte über Umwege in die Hände von Bührle. Als dieser bei den Waffenexporten auf die Alliierten umschwenkte, importierte er auch vermehrt Kunstwerke über Kanäle, die er sich neu erschließen konnte.

Laut der Studie war seine Sammeltätigkeit von Anfang auch Teil seines sozialen Aufstiegs. Er habe Teile seines Vermögens in kulturelles und soziales Kapital umgewandelt. Bührle sei definitiv kein Außenseiter in elitären Zürcher Kreisen gewesen, was sich anhand zahlreicher persönlicher Beziehungen aufzeigen lasse.

Die Studie geriet wegen angeblich mangelnder Unabhängigkeit bereits vor der Publikation in die Kritik. Die "WOZ" berichtete im Sommer, dass Mitglieder des Steuerungsausschusses versucht hätten, den Bericht in einzelnen Punkten zu beeinflussen, um Bührle in ein besseres Licht zu rücken. Einer der Autoren des Berichts zog sich zurück, da er eine freie und offene Forschung nicht mehr für gewährleistet hielt. Umstritten war etwa, ob im Zusammenhang mit Bührles antikommunistischen Tätigkeiten nach Ende des 1. Weltkriegs der Begriff "Freicorps" verwendet werden soll, oder ob im Zusammenhang mit einem Leserbrief des Unternehmers an die Zeitschrift "Nebelspalter" von einem "antisemitischen Ausfall" die Rede sein soll.

 

 

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!
Kommentieren