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Umstrittene Kunst

Ai Weiwei: Widerstand gegen seine Ausstellung in Florenz

Freitag in Florenz, Samstag in Graz: Ehe er zur Eröffnung der Ausstellung "Geknetetes Wissen" an die Mur reist, eröffnet Ai Weiwei noch rasch eine Ausstellung in Italien. Doch die Florentiner murren.

Ai Weiwei
Ai Weiwei in Florenz © AP
 

"Ai Weiwei. Libero". Unter diesem Titel feiert Florenz in den kommenden vier Monaten einen der bekanntesten zeitgenössischen Künstler. "Libero" - "Frei" ist der Titel der bisher größten Einzelausstellung des chinesischen Ausnahmekünstlers im Palazzo Strozzi, einem Renaissancepalast im Herzen der Stadt.

Doch die Begegnung zwischen Florenz und dem chinesischen Ikonoklasten verläuft nicht ganz reibungslos. Der Stil des 59-Jährigen erregt die Gemüter der Florentiner und entfacht die gerade in der Wiege der italienischen Renaissance seit Jahrhunderten immer wieder geführte Debatte über die Grenzen von gutem Geschmack und künstlerischem Ausdruck wieder neu.

Ai Weiwei: Kontroverse um Ai Weiwei in Florenz

Fassadenkunst

22 Schlauchboote an der Fassade des Palazzo Strozzi erregen die Gemüter in Florenz. Für manche ist die Installation gar eine "Schande".

APA/AFP/ANDREAS SOLARO

Der Künstler

Ai Weiwei erinnert damit an die Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa kommen.

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Kritiker

Kritik an seinem Werk, so Ai, sei in Ordnung: "Der zeitgenössischen Kunst, geht es darum, das Bewusstsein zu schärfen und intellektuelle Debatten zu stimulieren."

APA/AFP/ANDREAS SOLARO

Werkschau

Die Ausstellung ist als eine Art Werkschau des Künstlers angelegt

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Großinstallation

Dieses Werk heißt, wenig überraschend, "Gestapelte Fahrräder".

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Historisches Material

Für die Installation "Grapes" ließ Ai Weiwei 34 Schemel aus der Zeit der Qing-Dynastie verbinden.

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360 Stück

Diese "Schlange" besteht aus 360 Rucksäcken.

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Verhöhnung

Die " Flusskrabben" sind eine subtile Verhöhnun des chinesischen Regimes. Ihr Name klingt auf Chinesisch fast gleich wie ein kommunistischer Slogan.

APA/AFP/GABRIEL BOUYS

'Dropping a Han Dynasty Urn'

Die Bilder, auf denen Ai eine historische Vase fallen lässt, sind aus Lego. Mit einer ähnlichen Arbeit ist der Künstler übrigens demnächst in Graz zu erleben.

AP

Graz-Besuch

Am 22. September kommt der begehrte Kunst-Superstar zur Eröffnung der herbst-Ausstellung "Geknetetes Wissen" ins Grazer Kunsthaus.

APA/AFP/ANOEK DE GROOT
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Vor allem "Reframe" (dt. etwa "neu rahmen"), eine Installation aus 22 orangefarbenen Schlauchbooten an der Fassade des Palazzo Strozzi scheidet die Geister. Schlauchboote wie diese werden zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer genutzt. Er respektiere jeden, der seine Freiheit suche, sagte der in China lange geächtete Künstler am Mittwoch vor der Presse.

"Helden unserer Zeit"

"Diese Menschen sind die Helden unserer Zeit", betonte Ai Weiwei. "Es ist ein Werk, das uns veranlasst, stehen zu bleiben und nachzudenken", sagten die Ausstellungsmacher. Ai Weiweis Kritik richte sich diesmal gegen den Westen. "Sie erinnert an die Tragödie jener, die sich auf diese harte und fast hoffnungslose Reise zu den Küsten Europas begeben haben."

Die Installation ähnelt dem Projekt des Künstlers am Berliner Konzerthaus Anfang des Jahres. Damals hatte Ai Weiwei 14.000 Schwimmwesten an den Säulen des Konzerthauses befestigt - sein Diskussionsbeitrag zur Flüchtlingskrise. Auch in einem Teich des Wiener Schlosses Belvedere hat Ai Weiwei als Teil einer bis 20. November laufenden Schau 1005 gebrauchte Rettungswesten verteilt.

"Reframe" ist das optisch eindrucksvollste der insgesamt 60 Werke, die ab Freitag bis zum 22. Jänner zu besichtigen sind. Seit der Enthüllung der Installation in der vergangenen Woche gab es aber auch laute Kritik aus der Bevölkerung. "Einfach widerlich", schrieb etwa der Florentiner Roberto Batistoni auf der Facebook-Seite von Bürgermeister Dario Nardella. "Die Fassade eines der schönsten Paläste der Welt mit Dreck zu verunstalten und sogar Steuergelder zu verschwenden, ist eine Schande."

Am Mittwoch gab sich Ai Weiwei von der Feindseligkeit überrascht. Kritik sei jedoch in Ordnung: "Denn in der Kunst, vor allem der zeitgenössischen Kunst, geht es darum, das Bewusstsein zu schärfen und intellektuelle Debatten zu stimulieren."

Cristina Acidini, die ehemalige Chef-Denkmalschützerin der Stadt, findet, Florenz sei in gleichen Maßen aufgeregt und besorgt über die Präsenz des radikalen Künstlers. "Ich weiß nicht, ob das Kunst ist", sagt sie. Aber die Werke seien emotional, voller Gedanken und dem Wunsch, Erlebtes auszudrücken. "Und das ist schließlich, was Künstler tun sollen."

Systemkritiker

Der Bildhauer, Filmemacher, Installationskünstler und Menschenrechtler Ai Weiwei ist der wohl bekannteste chinesische Gegenwartskünstler. Für seine Kritik am kommunistischen System in China war er dort jahrelang geächtet. Erst im vergangenen Jahr durfte er nach Deutschland ausreisen. Seither lebt er in Berlin, fährt aber immer wieder auch in die Heimat zurück. An der Berliner Universität der Künste übernahm er zum Wintersemester 2015/16 die dreijährige Einstein-Gastprofessur.

Die Ausstellung in Florenz umspannt seine gesamte Karriere von den Anfängen in New York in den 1980ern, der Rückkehr nach China, seinem politischen Aktivismus und der Festnahme 2011 bis zur Ausreise nach Deutschland. Auch eigens für die Ausstellung geschaffene Werke wie Porträts aus Legosteinen von Dante und Galileo Galilei sowie ein Lego-Selbstporträt sind vertreten.

Kommentare (1)

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Tja, auch ein Zeichen unserer Zeit, sich Ai Wei Wei...

als die Künstlerikone unserer Zeit hochzustilisieren. Ein Marketingprodukt fern jeder künstlerischen Bewertung. Gemacht von den Medien mit Halbwahrheiten. Ein mittelprächtiger Künstler dem die linke intellektuelle Oberschicht aus der Hand frisst. Nur in China sieht man das etwas differenzierter, und da meine ich nicht die Regierung. Er ist weder Regierungskritiker, hat am Bau des Olympiastadions mitgearbeitet und war vor Gericht - wegen Steuerhinterziehung in Millionen Euro Beträgen. In seiner Factory arbeiten einige hundert Mitarbeiter wie Lohnsklaven um Massenreproduktionen zu machen für Museen weltweit zu machen.

Also hauptsächlich ein hervorragender Selbstvermarkter der mit dem Image des Regierungskritischen Künstler sehr gute Kohle verdient. Ja wenn man selber nichts von Kunst versteht fällt man auf solche Scharlatane leicht rein. PS: Bevor mich jetzt alle als kulturfern kritisieren - ich hab im Unterschied zu vielen anderen mit ihm in China persönlich zu tun gehabt, und glaubz mir, erlacht selber über sein Image...

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