Von Anfang an war gleich eine wunderbar einnehmende Intimität mit sanften, sensiblen Klängen zu spüren: Diese Stimmung konnte Raphaella Smits dann den ganzen Abend bei den 4. Guitar Days der GMPU im Neuen Saal des Konzerthauses aufrecht erhalten. Die vielfach preisausgezeichnete, belgische Ausnahmegitarristin entlockte ihrer achtsaitigen Gitarre, einer edel klingenden Mirecourt aus 1827, eine nuancenreiche Kantabilität und musizierte auch mit flinkfingriger, spieltechnischer Meisterschaft. Und das alles bei lauter Stücken, die innerhalb von nur zehn Jahren Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden sind.
Großes Einfühlungsvermögen
Nach der „Grande Ouvertüre“ von Mauro Giuliani folgten facettenreiche „Variations sur L’Air Malbroug“ von Ferdinand Sor, bei welchen Freude und Leid eng beieinander lagen. Von diesem – einem der bedeutendsten spanischen Gitarrenkomponisten – konnte auch die Etüde Nr. 11 genossen werden. Kernstücke des Abends waren die dreisätzige Sonate Nr. 3 von Antonio Diabelli, vielfach auch als Komponist von Klavierwerken bekannt, sowie die sehnsuchtsvolle „Grand Fantaisie“ von Johann Kaspar Mertz. Alles Stücke mit eingängiger Melodik, die von Smits mit großem Einfühlungsvermögen musiziert und heftigst beklatscht wurden. Dafür bedankte sich die den Abend auch moderierende Gitarristin mit zwei Zugaben.