Bitte nicht nachmachen: Ruft man heute die Kundennummer der „Ersten Kärntner Kurzschluss-Handlung“ an, landet man an der Uni Klagenfurt. Selbstklebende Grenzstreifen oder ein Taschenpropagandakino kann man aber nicht mehr bestellen. Die Aktion war 1999 ein Aufreger – und vor allem eine Reaktion des Klagenfurter Universitätskulturzentrums Unikum auf die von Jörg Haider auf Feindbildern aufgebaute Politik.
Der von den langjährigen Geschäftsführern Emil Krištof und Gerhard Pilgram viele Jahre mit Mitteln der Provokation geführte Verein machte es sich zur Aufgabe, Wissenschaft und Kunst zu verbinden. Im Jahr 2003 stellte man einen Tischtennistisch „zur spielerischen Erprobung von Massenvernichtung und Völkermord“ in das Künstlerhaus Klagenfurt oder beschäftigte sich mit dem „Gefälle/ Prepadi/ Dislivelli“. Das Unikum verstand sich auch immer als Alpen-Adria-Verein, der die Dreisprachigkeit propagierte. Politische Aufreger werden heute nicht mehr produziert, man sucht eher das Verbindende – ohne unkritisch zu werden.
Man will nach außen wirken
Alina Zeichen und Niki Meixner (künstlerischer Leiter) leiten den Verein seit drei Jahren mit Unterstützung von Nina Hofbauer. Als Obfrau agiert die assoziierte Professorin Cristina Beretta , und Leiter der universitären Einrichtung ist der assoziierte Professor Matthias Wieser. „Das Unikum steht vor allem für die künstlerische Forschung. Wir stehen auch dafür, dass wir versuchen, die Inhalte, die an anderen Universitäten und der Uni Klagenfurt erforscht werden, künstlerisch aufzuarbeiten, um sie einem breiten Publikum zur Verfügung zu stellen“, sagt Alina Zeichen. Das Unikum sieht sich als verbindendes Element zwischen Universität und Außenwelt – und setzt dafür die Mittel der Kunst ein. Aus dieser Motivation heraus ist es im Oktober 1986 auch entstanden: „Es gab in Kärnten extrem lange keine universitäre Ausbildungseinrichtung, die sich mit Kunst beschäftigt hat“, erklärt Zeichen. Mittlerweile gibt es allerdings an der Gustav Mahler Privatuniversität für Musik oder an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt künstlerische Forschung. „Dahingehend war das Unikum eine Vorreiterorganisation.“
Immer wieder stand das Themenfeld „Bewegung“ im Zentrum: „Das Unikum selbst hat ja keinen Ort, daher wird es auch weiterhin so sein, dass wir Kunst im öffentlichen Raum machen.“ Heute startet übrigens die Ausstellung „Über die Mitte/ O sredini/ Oltre il centro“ in St. Johann im Rosental/ Šentjanž v Rožu, Gerhard Pilgram hat eine Fotostrecke über die Baukultur von Kleinbauern und Keuschlern gestaltet. Gemeinsam mit Jani Oswald und Dietmar Pickl ist daraus auch ein Buch (Drava-Verlag) entstanden. Die Klammer, die man für alle künstlerischen Interventionen in diesem Jahr findet, hat man „Unruhige Gewässer“ genannt: „Weil wir uns in unruhigen Zeiten bewegen und in unruhigen Zeiten leben. Wir fragen, wie man hoffnungsvolle Momente schaffen und in die Zukunft blicken kann. Gerade in einem Moment, wo viele das Gefühl haben, es kippt in die negative Richtung.“ Das Unikum stellt also das Positive in den Vordergrund.
Universitäre Forschung und Kunst sind sich ja viel näher als man denkt: Sie sind nicht dazu da, um zu gefallen. Sie sind, was sie sind. Sie produzieren Wahrheiten, oft auch unangenehme. Um genau das zu vermitteln, ist das Unikum da.