Ihre acht Monate alte Tochter Isla hätte absolut keine Ahnung, was hier vor sich geht. „Sie träumt wahrscheinlich von Milch“, erklärte Jessie Buckley unter Tränen auf der Bühne, nachdem sie den Oscar als beste Hauptdarstellerin in Chloé Zhaos „Hamnet“ empfangen hatte. Um Kinder geht es auch im Film. Als Shakespeares Ehefrau Agnes muss sie in dem Film den Verlust ihres Sohnes Hamnet und das Zerwürfnis, das dessen Tod zwischen ihr und ihrem von Paul Mescal verkörperten Ehemann aufreißt, verarbeiten. Buckley ist die erste Irin, die diese Auszeichnung für sich verbuchen konnte. Vor ihr war nur Brenda Fricker als beste Nebendarstellerin veredelt worden.

Ihre Anfänge

Ihre Anfänge hatte Buckley, geboren 1989 in Killarney, 2008 in der BBC-Talentshow „I‘d Do Anything“, bei der sie den zweiten Platz belegte. Nach ihrem Abschluss an der Royal Academy of Dramatic Art folgten weitere TV-Auftritte in BBC-Serien wie „Krieg und Frieden“ (2016) und „Taboo“ (2017). Ihr Filmdebüt gab sie 2017 mit der Hauptrolle in „Beast“, für ihre Rolle als Country-Musikerin in „Wild Rose“ (2018), wurde sie für den BAFTA nominiert. 2019 spielte sie in der renommierten Serie „Chernobyl“ mit, 2020 in „Fargo“.

Für ihre Rolle in „Frau im Dunkeln“ erhielt sie 2021 ihre erste Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin. Seither spielte sie in größeren Filmen wie „Die Aussprache“ (2022) oder jüngst „The Bride!“ mit. Nebenbei tritt Buckley auch am Theater auf, wie in der West End-Show „Cabaret“, und macht Musik. 2022 veröffentlichte sie das Album „For All Our Days That Tear the Heart“ mit dem früheren Suede-Gitarristen Bernard Butler. Privat ist sie seit 2023 mit dem Sozialarbeiter Freddie Sorensen verheiratet, mit dem sie 2025 die eingangs erwähnte Tochter bekam.

Ob kulturelles Klischee oder nicht, das Markenzeichen der Irin ist ihre unverblümte Art. So rief sie bei den Critics‘ Choice Awards Paul Mescal amüsiert zu, sie könne ihn wie Wasser trinken. Ein Kommentar, der bei einigen Schnappatmung, bei anderen amüsiertes Schmunzeln hervorrief. Gleichzeitig musste Buckley auch ihren ersten Shitstorm wegstecken. Als sie in einem Interview ihre Abneigung gegen Katzen offenbarte und dass sie Sorensen dazu gebracht hatte, seine loszuwerden, kam gar nicht gut an. Buckley sah sich genötigt, mit einer Katzenliebedeklaration Kurskorrektur zu betreiben. Den Oscar hat es sie zumindest nicht gekostet.

Was für Buckley nicht die Katzen sind, sind für sie hingegen die Frauen. „Heute ist Muttertag in Großbritannien“, schloss sie ihre Dankesrede, „daher möchte ich dies [den Oscar] dem wunderschönen Chaos eines Mutterherzens widmen. Wir alle stammen aus einer Linie von Frauen, die trotz aller Widrigkeiten weiter schöpferisch tätig sind.“