In der Nacht auf Montag regnete es Oscars in Hollywood und einen auf die irische Schauspielerin Jessie Buckey für ihre Rolle als Agnes in dem Drama „Hamnet“. Wenige Stunden bevor der erwartbare Goldjunge in ihren Händen lag, lag ich schwer schluchzend auf meinem Sofa. Man könnte meinen, dass die schauspielerische Leistung Buckley mich derart berührt hätte, sodass alle Dämme brachen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Als Mutter ist es brandgefährlich, sich diesen Film anzusehen. Denn er spielt mit einer Angst, die alle Eltern haben: Was ist, wenn mein Kind stirbt? Die Art und Weise, wie diese Angst und auch das enorme Leid hier inszeniert wird, sprengt jeden Rahmen. Es mag als Empathie verstanden werden oder als die reale Härte von Verlust, tatsächlich ist es aber eine emotionale Wunde, die hier bei Eltern und vor allem Müttern aufgerissen wird und die mich bis in meine Träume und sogar bis zum Aufwachen am nächsten Tag tränenreich beschäftigt hat. Es war buchstäblich überwältigend und in der Filmwelt mag das etwas Gutes sein, doch das sehe ich anders, denn der ganze Film „spielt“ mit der unabwendbaren Vorsehung, dass das große „Unheil“ schon kommen werde.

Jessie Buckley bei der Oscar-Verleihung 2026. Eine tolle Schauspielerin, ein gefährlicher Film.
Jessie Buckley bei der Oscar-Verleihung 2026. Eine tolle Schauspielerin, ein gefährlicher Film. © AP/Chris Pizzello

Auf diese Stimmung, dass der unvermeidliche Schicksalsschlag einen schon noch ereilen werde, ist der ganze Film aufgebaut. Unendlich lange, traurige und letztlich traumatisierende 126 Minuten leidet man mit der Familie, aber vor allem mit der Frau. Dazu auch noch mit den Geschwistern, vor allem mit der gleichaltrigen Schwester, denn offenbar gedacht als Metapher für die Verbundenheit von Zwillingen, tauschen diese noch schnell Platz auf der Shitlist des Todes.

Jessie Buckley in einer von vielen verstörenden Szenen des Films „Hamnet“.
Jessie Buckley in einer von vielen verstörenden Szenen des Films „Hamnet“. © AP/Agata Grzybowska

Ich weiß um die Endlichkeit des Lebens, ich weiß auch um Verlust von Menschen, die ich liebte, aber ich spreche trotzdem eine Warnung aus für alle, die sich schon genug Sorgen machen, ob den Kindern eh nichts passiert. Schauen Sie sich diesen Film nicht an. Er ist bestimmt preiswürdig, er ist vielleicht sogar ein Meisterwerk, doch er ist Gift für die Seele.