Es ist mittlerweile gute Tradition: Wenn im Museum Moderner Kunst Kärnten eine neue Ausstellung eröffnet, wird auch die hauseigene Sammlung in einigen Räumen präsentiert. Ab 12. März werden also nicht nur die Arbeiten der Videokünstlerin Regina Hübner zu sehen sein, sondern unter dem Titel „fokus sammlung. Meisterwerke“ auch ausgewählte Werke bedeutender Kärntner Künstlerinnen und Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts, darunter von Maria Lassnig, Hans Bischoffshausen oder Jean Egger.
Kunstsammlung
Schließlich besitzt das MMKK und damit das Land Kärnten insgesamt rund 8000 Werke: In der Kunstsammlung, die seit Ende der 1920er-Jahren aufgebaut wird, befinden sich die besonders wertvollen Arbeiten. Darunter sind auch rund 40 Werke (14 Ölbilder, Zeichnungen und Aquarelle) von Maria Lassnig, die schon „ab den 1940er-Jahren angekauft wurden“, weiß Christine Wetzlinger-Grundnig, Direktorin des MMKK. Denn gesammelt werden Werke von Künstlerinnen und Künstlern mit Kärnten-Bezug. Der größte Einzelbestand betrifft Papierarbeiten von Switbert Lobisser (1887-1943), die als Konvolut von 329 Grafiken in die Sammlung aufgenommen wurden, gefolgt von Werner Berg (296 Werke, darunter auch in Öl) und August Prinzhofer (234 Arbeiten).
Während die Werke der Kunstsammlung immer wieder in den diversen „fokus Sammlung“-Ausstellungen im MMKK gezeigt werden, sind die rund 2500 Arbeiten der Artothek des Landes eher in Büros zu bewundern: „Sie stehen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von öffentlichen Verwaltungsbehörden als Raumschmuck zur Verfügung“, erklärt Brigitte Kogler, die die Sammlung leitet. „Früher hat die Kulturabteilung direkt von den Künstlerinnen und Künstlern angekauft, um sie zu unterstützen, das war quasi eine Förderschiene.“
Deshalb finden sich auch in der Arthotek, die seit rund 20 Jahren Teil der MMKK-Sammlung ist, Werke von Lassnig, Bischoffshausen oder Kiki Kogelnik. „Sensible Arbeiten werden allerdings nicht für dekorative Zwecke verliehen“, so Kogler, die weiß, was besonders nachgefragt wird: „Schöne Landschaften und schöne Farben, aber auch Bilder von Künstlern wie Egon Wucherer oder Paul Kulnig, die man kennt, weil man von ihnen unterrichtet wurde. Für die politischen Büros werden oft repräsentative Werke angefragt.“
Leihvertrag und Vorgaben
Und während Politiker früher immer wieder mit Kunstwerken aus dem öffentlichen Dienst verabschiedet wurden, wird heutzutage nichts mehr aus der Sammlung abgegeben: „Wir werden auch immer wieder bei Pensionierungen gefragt, ob man die Bilder, die ja manchmal Lebensbegleiter waren, kaufen kann. Das ist nicht möglich“, erklärt Kogler. Im Gegenteil: Wer die Dienste der Arthotek in Anspruch nimmt, muss einen Leihvertrag unterschreiben und bestimmte Vorgaben einhalten. So dürfen Bilder zum Beispiel nicht selbst aufgehängt oder abgenommen werden. „Deshalb wissen wir auch, wo unsere Werke sind und können sagen: Es kommt nichts abhanden.“
Untergebracht sind Kunstsammlung und Artothek im Depot des MMKK auf rund 300 Quadratmetern: „Wir brauchen dringend mehr Platz“, sagt Christine Wetzlinger-Grundnig. Eine Lösung sei in Sicht, aber noch nicht spruchreif. Die Aufbewahrung ist jedenfalls eine Herausforderung – vor allem bei digitaler Kunst: „Wir müssen die Arbeiten immer wieder auf moderne Träger überspielen, um sie nicht zu verlieren.“ Apropos verlieren: Einige vergängliche Werke konnte man nicht erhalten, dazu zählen unter anderem Arbeiten mit Brot von Michael Kos. Viel Platz brauchen naturgemäß die Skulpturen, ein Teil davon ist in den Arkaden des Burghofs ausgestellt und damit jederzeit öffentlich zugänglich.
Sammlung macht viel Arbeit
Dass so eine Sammlung auch viel Arbeit macht, stellt das MMKK immer wieder vor Herausforderungen: „Werke müssen gereinigt und restauriert werden, Leinwände nachgespannt, Rahmen betreut. Wir müssen immer sehr genau überlegen, was wir uns leisten können“, sagt Wetzlinger-Grundnig. Dabei hilft, dass sie seit dem Jahr 2010 regelmäßig große Ausstellungen aus der Sammlung kuratiert und mit Katalogen begleitet, denn dafür wurden die Werke nicht nur auf Vordermann gebracht, sondern auch elektronisch inventarisiert und digitalisiert. Außerdem geben die bisher sieben Kataloge einen guten Überblick über die Sammlung, angefangen bei klassischen Themen wie „Menschenbild“, „Landschaft“ und „Stillleben“ bis hin zu abstrakter Kunst. Dieser widmet sich ab Sommer die nächste große Sammlungsausstellung im MMKK.
Zum Arbeitsauftrag des MMKK gehört es auch, den Bestand regelmäßig weiter zu ergänzen. Das Budget dafür wird zum Teil vom Bund zur Verfügung gestellt: Über die Galerienförderung gibt es 36.000 Euro pro Jahr, 18.000 Euro steuert das Land Kärnten bei. Grundbedingung: Es müssen in österreichischen Galerien Werke von lebenden österreichischen Künstlerinnen und Künstlern eingekauft werden. „Davon profitieren alle: Die Museen erhalten Werke, die Galerien und Künstler Geld“, bringt es Wetzlinger-Grundnig auf den Punkt. Eine interne Jury entscheidet, wie die Sammlung weiterentwickelt werden soll: „Wir gehen beim Kauf nicht von der Galerie aus, sondern von den Künstlerinnen und Künstlern und fragen uns: Was fehlt noch? Natürlich kaufen wir, wenn irgendwie möglich, in Kärntner Galerien. Aber nicht alle Kärntner Künstler haben auch hier eine Vertretung.“
Zu der Galerienförderung kommt dann noch ein kleines Budget für Direkt- oder Ergänzungskäufe für die Arthotek: „Das sind in manchen Jahren 5000 Euro, in manchen 9000 Euro.“ Nur während der Corona-Zeit konnte man mehr Geld ausgeben: „Damals haben wir alles, was wir durch die eingeschränkte Ausstellungstätigkeit eingespart haben, in Werke investiert“, erzählt Wetzlinger-Grundnig.
Ziel ist Aufbau einer Sammlung
Und kann man den Wert der Sammlung irgendwie beziffern? „Das ist schwer zu sagen. Wir kaufen die Kunst zum aktuellen Preis. Manchmal steigt der Wert, aber manchmal werden Künstlerinnen und Künstler auch vergessen. Ein Teil der Arbeiten ist sicher unverkäuflich“, so Wetzlinger-Grundnig. Aber es gehe nicht um den Wert und gar um Spekulation, sondern „um Kunstförderung, Dokumentation und den Aufbau einer Sammlung mit Kärntner Kunst“.