Den Einfluss von Saxophonist John Coltrane auf den freien Jazz kann man nicht hoch genug einschätzen. Schon in den 1950er-Jahren warf er alles traditionell Formale über Bord und entwickelte dieses modale, flächige, freie Spiel, von dem seither Generationen seiner Nachfolger zehren. Durch die Türen, die er geöffnet hat, gingen am Donnerstagabend im Kulturhofkeller mit Verve die Argentinierin Camila Nebbia und Christof Lauer in der Band von Drummer Nathan Ott. Obwohl es vor der Pause noch gar nicht danach aussah. Da grub man sich im Quartett mit Bassist Jonas Westergaard durch Berge von Noten, die mehr pointilistisch übermalt wurden als sie pulsierend ins Grooven kamen. Ausnahme: zwei expressive Soli von Lauer zuerst am Sopran-, anschließend am Tenorsax.
Rhythmische Figuren
Erst nach der Pause fügte sich die Rhythmusgruppe in ihr Schicksal jener wiederkehrenden rhythmischen Figuren, die es den Solisten erlauben, auf quasi sicherem Grund in Coltranescher Manier loszulassen. Da taute Nebbia regelrecht auf, schwang sich in expressive Höhen oder warf sich mit Lauer gegenseitig die Bälle zu. Und schon glänzte die Band auch mit dieser spirituellen Intensität, die einem das Herz aufgehen ließ. Besonders gut gelang das in Otts Song „Pollux“ im Angedenken an seinen ehemaligen Lehrer, den erst Ende Jänner verstorbenen Pianisten Richie Beirach.