Wer in Wien derzeit durch die Karlsplatz-Passage zur U-Bahn eilt, sollte sich Zeit für ein paar Augenblicke Kunst nehmen: Hier macht Marko Lipuš mit einem Foto- und Videoprojekt Obdachlosigkeit sichtbar. Nachdem dieses, im zweiten Open Call der Kärntner Kulturstiftung ausgezeichnete, Projekt bereits an mehreren Orten in Kärnten und in der Kunsthalle in Bonn gezeigt wurde, ist es nun in Wien zu sehen. Und ist so ein Beispiel für die Nachhaltigkeit von Kunstprojekten, die die Kärntner Kulturstiftung (KKS) mit ihren biennal ausgeschriebenen Open Calls fördert.
Ein weiteres ist die Ingeborg Bachmann Kuppel von Armin Guerino und Gerhard Fresacher, die nach Kärnten 2023 in Wien rund 60.000 Besucherinnen mit einem Crossover-Kulturprogramm begeisterte. Heuer reist die fragmentierte, verspiegelte Skulptur als Kärntner Kulturbotschaft in die europäischen Kulturhauptstadt Nova Gorica/Gorizia und lädt am Europaplatz, direkt an der Grenze zwischen Slowenien und Italien, zu Veranstaltungen und Begegnungen ein.
Eröffnet wird in Zusammenarbeit mit dem Carinthischen Sommer, mit Literatur und Musik. „Kärntner Kunst und Kultur, den Reichtum unserer Region schlechthin, über die Grenzen des Landes hinaus sichtbar zu machen“, ist laut Stiftungsvorstand Monika Kircher das große Anliegen der KKS. Gemeinsam mit ihren Vorstandskolleginnen Ina Maria Lerchbaumer, Gabriele Semmelrock-Werzer und der an die Stelle von Martin Traxl gerückten Kuratoriumsvorsitzenden Barbara Putz-Plecko stellte sie die zwei Gewinnerprojekte des mittlerweile dritten Open Calls der Stiftung im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien vor.
Diesmal fand die Ausschreibung unter dem Motto „Jugend“ statt. Aus 44 Einreichungen aus ganz Österreich, die alle ihren inhaltlichen Schwerpunkt in Kärnten setzen, wählte die Jury Projekte aus, die ebenfalls das Zeug zum Grenzen-Überschreiten haben. Bis Lienz, Tarvis und Slowenien will das Gailtaler Kulturfestival „Bühne der Macht“ Menschen „von 14 bis 99“ neugierig machen. Die Osttiroler Regisseurin Cornelia Rainer und der in Villach und im Gailtal aufgewachsene Schauspieler Matthias Mamedof setzen sich mit Jugendlichen der Region, ausgehend von Ödön von Horvaths Werk „Glaube, Liebe, Hoffnung“, und deren Lebensfragen auseinander. Begleitet von Workshops mit Philosophen und anderen Expertinnen sowie filmisch dokumentiert, will dieses partizipatorische Theaterprojekt zu einem Dialog der Geschlechter und Generationen beitragen. Das Ergebnis wird mit professionellen Darstellern dann Anfang Juli in St. Daniel im Gailtal zu sehen sein.
Viel unterwegs dürften auch die Master-Minds des Klagenfurter Kollektivs „Urban Playground“ sein, die mit ihrer Idee eines mobilen Kulturzentrums ebenfalls 100.000 Euro für die Umsetzung gewonnen haben. Urbane Kunstformen wie Graffiti, Breakdance, Musikproduktionen und ähnliches, die eng mit der Hip-Hop-Kultur verbunden sind, sollen mit Hilfe eines umgebauten Busses durchs Land ziehen. Dieses „Urban Lab Mobil“ wird Tonstudio, mobiler Tanzboden und (DJ-)Bühne sein und Kulturangebote für unterschiedliche Altersgruppen bieten. „Wir wollen neue Räume für Jugendkultur erschließen“, erzählt Vereinsobmann Valentin Pezzei aka Mogli, der mit seinem Team nicht hinnehmen will, dass „die Jungen halt weggehen aus Kärnten“. Was ihn zu dieser Art kultureller Sozialarbeit animiert? „Die Leute sollen gerne in Kärnten bleiben und hier auch als Künstler leben können!“
„Künstler, die interessant, wichtig und sperrig sind“, haben es auch dem Videokünstler, Filmemacher und Fotografen Peter Putz angetan, der bereits seit 1980 an seinem Projekt „Das Ewige Archiv“ arbeitet. Diese nichtkommerzielle Bilddatenbank ist Ausgangspunkt für ein weiteres von der KKS gefördertes grenzüberschreitendes Projekt. Mit einem Video gestaltet Putz eine digitale Ausstellung zu den Kärntner Künstlern Cornelius Kolig, Maria Lassnig, Meina Schellander und Herwig Turk, die als Kärntner Kulturbotschafter bei der Expo im japanischen Osaka präsent sein werden.