„Wenn es hektisch wird, dann denke ich an die Grauen Herren und versuche, Tempo herauszunehmen“, erzählt Dora Schneider. Die deutsche Regisseurin, die seit dem Jahr 2000 in Österreich lebt, inszeniert für das Stadttheater mit „Momo“ einen Stoff, den sie schon lange selbst in ihr Leben integriert hat: „Ich habe das Buch in meiner Kindheit geliebt“, sagt die 47-Jährige. Dass Michael Endes Roman bei vielen Menschen über Jahrzehnte „hängengeblieben ist“, liege auch daran, dass es ein immer aktuelles, quasi zeitloses Thema behandelt. Schließlich geht es um die Zeit, wofür die Menschen sie verwenden und wie sie ihnen gestohlen wird: „Wir kennen das ja: Je schneller alles wird, desto weniger Zeit haben wir“, sagt Schneider.

Dabei könne man von Momo, der Hauptdarstellerin, das geduldige Zuhören lernen, und zwar ohne dazu zu kommentieren oder zu werten. „Dadurch gibt das Mädchen ihren Mitmenschen die Chance, sich durch das Gesagte selbst zu erkennen“, sagt die Regisseurin, die bereits zum vierten Mal in Klagenfurt inszeniert – unter anderem hat sie für das junge Publikum des Stadttheaters im Jahr 2019 Sibylle Bergs „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“ auf die Bühne gebracht.

Momo (Gioia Heid) und Fusi, der Frisör (David Fuchs)
Momo (Gioia Heid) und Fusi, der Frisör (David Fuchs) © Fessl

Überhaupt ist ihr Theaterarbeit für junges Publikum wichtig, nicht nur als Professorin für Schauspiel an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, sondern auch als Mitglied des Auswahlgremiums für den renommierten Mülheimer „KinderStückePreis“: „Wir sichten alle Uraufführungen in diesem Bereich“, erzählt sie: „Im Theater für junges Publikum werden brennende Themen behandelt, es werden Räume für Fantasie geschaffen und es werden neue Medien und Formen ausprobiert – das ist oft sehr innovativ. Und man kennt das: Was in der Kindheit prägt, bleibt in Erinnerung.“

Märchen mit Musik

Womit wir wieder bei „Momo“ wären, dem Stück, das die am Max Reinhardt Seminar ausgebildete Regisseurin als Märchen mit viel Musik zeigen wird. Die Bühnenfassung stammt von Irmgard Paulis, die „Momo“ 2002 am Stadttheater Klagenfurt inszenierte. David Malazonia, Komponist der Bühnenmusik, war selbst in Klagenfurt, um mit den beiden Musikern Mathias Krispin Bucher und Fabian Mang die Musik zu erarbeiten und „es sind noch neue Nummern dazugekommen“, verrät Schneider: „In den sechs Wochen Proben ist die Musik selbst ein wichtiger Teil der Inszenierung geworden.“

Verortet ist die Produktion im Italien der 1970er-Jahre und damit in der Entstehungszeit des Romans, die Rollen sind, abgesehen von „Momo“ (Gioia Heid), mehrfach besetzt: „Die meisten Akteure springen von Rolle zu Rolle. Wir haben rund 70 Umzüge, hinter der Bühne helfen gleichzeitig sieben Ankleiderinnen“, sagt Schneider. Auch hinter der Bühne geht es also um die Zeit und wie sie optimal genützt wird: „Das Timing ist da extrem wichtig.“