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Oper GrazWiederbelebte „Martha" bleibt blass

Regisseur Peter Lund misstraut der Harmlosigkeit von Flotows Oper und verdüstert die Komödie in Graz. Hilft auch nichts.

"Martha" in der Grazer Oper © Werner Kmetitsch/Grazer Oper
 

In den hinteren Winkeln des Stückefundus, einer dunklen Ecke, in der dick Staub liegt, hat die Grazer Oper für ihre jüngste Produktion nachgesehen und „Martha“ hervorgezaubert. Friedrich von Flotows vormaliges Erfolgsstück, in dem die Romantik sozusagen auf Biedermeier-Größe zurückgestutzt und von starkem französischen Einfluss geprägt ist. Ein melodienseliges Stück über gelangweilte Damen, die sich auf einem Markt für Dienstboten verdingen und allerlei heitere Abenteuer erleben, die sich vermutlich auch ganz gut als eine Geschichte eines emanzipatorischen Ausbruchs aus gesellschaftlichen und geschlechtlichen Normen erzählen ließen.

Geschichte aus der Klinik

Regisseur Peter Lund belässt die Handlung in der barocken Atmosphäre der Queen-Anne-Zeit. Gewagt ist die räumliche Verlegung ins historische Bethlem Royal Hospital London, der berühmtesten Anstalt für psychisch Erkrankte, die es je gab. Man braucht tatsächlich gute Nerven, wenn ein durchwegs heiter gemeintes Stück an einem der unlustigsten Orte der Menschheitsgeschichte (die eine psychiatrische Klinik im 18. Jahrhundert nun einmal darstellt) spielt. Entsprechend eingedüstert ist dieses Theater auf dem Theater der „Narren“, eine traurig-wahre Geschichte vom wahnsinnigen Lyonel, einem zerbrechenden Charakter in Werther-Tracht, dem höchstens ein eingebildetes Happy End beschieden ist. Ilker Arcayürek bleibt überraschend blass. Sein Tenor klingt ein wenig belegt, das lyrische Legato, die feine Poesie, die man etwa auf seinem vorzüglichen Schubert-Liedalbum hört, kommen live nur selten zur Geltung.

Der etwas monochrom klingenden Sopranistin Kim-Lillian Strebel gelingen die kapriziös-herrischen Facetten der Lady Harriet besser als deren schlichte Natürlichkeit. Anna Brulls ansprechende Nancy wird von Bass Peter Kellner in den Schatten gestellt. Sein Plumkett ragt vokal aus dem Ensemble heraus, das von dem wie immer exzellent spielenden Wilfried Zelinka als Lord Tristan komplettiert wird. Dieser Lord wird als rechter Stutzer gezeichnet, denn Lund verzichtet freilich nicht ganz auf die komödiantischen Aspekte. Die Geschichte zweier Besucherinnen, die beim Theater der Patienten teilnehmen, hat viel handwerkliche Qualität: Lund kümmert sich um Details und kreiert ein paar wirklich nette Gags, um den Charakter der Komödie innerhalb des von ihm geschaffenen ernsten Rahmens zu bewahren.

Es funkelt nicht

Dass das alles trotz opulenter Ausstattung (Daria Kornysheva) und adäquater Bühne (Ulrike Reinhard) nicht zündet, liegt auch daran, was im Orchestergraben passiert. Dirigent Robin Engelen und die Grazer Philharmoniker spielen diese leicht-melodiöse Musik grobschlächtig, dabei käme es gerade auf ein Maximum an Esprit und Akkuratesse an. So hoch es der Grazer Oper anzurechnen ist, ein zusehends in Vergessenheit geratenes Stück wieder zur Diskussion zu stellen, so spannungslos ist über weite Strecken leider das Resultat geworden.

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Lodengrün
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Diesen Ansatz des Irrenhauses

haben wir schon unzählige Male "gemolken". Von Wagner (Parsifal) bis Verdi (Fallstaff, Rigoletto) haben wir diese Deutungen über uns ergehen lassen müssen. Warum kann man das Stück nicht so inszenieren wie es im Libretto steht. "Das Gute unterstreichen wir, das was nicht so prickelnd ist vernachlässigen wir" pflegt so mancher Regisseur der sich auf gute Personenführung versteht zu sagen. Ja das Stück gibt das auch her und auch im historischen Rahmen. Aber wie so oft muß die Inszenierung der Neurose des Regisseurs folgen der partout etwas anderes aus dem Inhalt gelesen haben will. Ja Herr Gasser, die Lautstärke erreichte den Pegel der Unerträglichkeit.

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