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Film der Woche"Quo Vadis, Aida?": Ein wuchtiger Gedenkfilm

Hoch politisch und spannend: Deroscarnominierte Thriller „Quo Vadis, Aida?“ von Jasmila Zbanic skizziert die Tage vor dem Genozid von Screbrenica.

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Aida kämpft in Screbrenica in der UN-Schutzzone als Dolmetscherin um ihre Leute und ihre eigene Familie © Polyfilm
 

Bewertung: *****

Der Ausgang ist bekannt. 8732 Zivilisten, vorwiegend männliche Bosniaken wurden im Juli 1995 von der Armee der Republika Srpska beim Massaker von Srebrenica ermordet, Hunderte Leichen gelten heute noch als vermisst. Mehr als 25 Jahre später, erst im Juni dieses Jahres, wurde die lebenslange Haft für den 2017 wegen Völkermords, Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilten Militärchefs der bosnischen Serben, Ratko Mladic, in Den Haag bestätigt.


Der aufwühlende Politthriller „Quo Vadis, Aida?“ der bosnischen Drehbuchautorin und Regisseurin Jasmila Zbanic rekonstruiert diese Ereignisse in der brütenden Juli-Hitze. Sie konzentriert sich dabei auf die letzten Stunden der Väter, Söhne, Großväter, Onkel, Liebhaber oder Neffen, bevor diese verschleppt und hingerichtet werden. In den Fokus rückt die 46-Jährige dabei die Lehrerin Aida (kraftvolle Performance: Jasna Djuricic), die in der UN-Schutzzone als Übersetzerin engagiert ist und somit den Verhandlungen der niederländischen Blauhelme mit Mladic nahe. Sie soll die Anweisungen an ihre Leute übersetzen. Zunächst ahnend, später wissend, wohin das führt. Mit der Panik wächst auch ihre Verzweiflung.

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Aida ist eine von rund 30.000 Geflüchteten, die rund um das übervolle UN-Lager Schutz suchen. Die Sicherheit, in der sich alle, die es dorthin geschafft haben, wiegen, ist trügerisch. Aida, die ihren Mann und ihre Söhne mit viel Überredungskunst ins Innere rettet, kämpft wie eine Löwin um ihre Familie. Vergebens. Ihr Schicksal steht stellvertretend für viele Frauen in Bosnien.

Der Filmemacherin gelang mit dem Politthriller ein Coup: Sie erzählt diese Tatsachen weder als Geschichtslektion noch auf die Tränendrüsen drückendes Drama, sondern als intelligenten Thriller, der die Spannung fühlbar jede Sekunde weiter ankurbelt und viel Salz in die offene Wunde dieses Genozids und der Kriegstraumata streut. Die gebürtige Steirerin Christine A. Maier gießt die monströsen Verbrechen wie in Echtzeit in raue, gewaltige und realistische Bilder.

Zbanic gibt der Masse an Verstorbenen und jener der Hinterbliebenen in ihrem oscarnominierten und vielfach ausgezeichneten österreichischen Koproduktion ein Gesicht. Sie erzählt den Plot auch über die Gesichter: die ängstlichen der Zivilbevölkerung, die abgestumpften der Blauhelme und der siegessicheren der serbischen Nationalisten. Sie setzt dem Völkermord, der heute noch vielfach geleugnet wird, ein wuchtiges und dabei vereinendes Denkmal.

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