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Neu im KinoMafiathriller, eine ungewöhnliche Reise nach Vegas sowie ein Drama mit Taschentuchgarantie

Ein Mafiathriller, der schonungslos in die Abgründe der Cosa Nostra blickt. Eine ungewöhnliche Reise nach Las Vegas, ein Drama mit Taschentuchgarantie und ein Film mit Staraufgebot, der unter den Erwartungen bleibt.

Mafiaboss Tommaso Buscetta (Pierfrancesco Favino)
Flucht nach Brasilien: Mafiaboss Tommaso Buscetta (Pierfrancesco Favino) wird nach seiner Auslieferung nach Italien zahlreiche Mafiakollegen verpfeifen © Filmladen
 

Il Traditore

Bewertung: ****

Es ist die Mutter aller Mafiafilme: Francis Ford Coppolas „Der Pate“ aus dem Jahr 1972. Zunächst von der Cosa Nostra verhindert, wurden die Dreharbeiten von dieser kofinanziert und kontrolliert. Bis heute findet man in den Bars von Corleone Fotos von Marlon Brando und Al Pacino. Alle Mafiosi wollten so sein wie sie, und in den Verstecken sicherte die Polizei nebst Drogen und Waffen oftmals VHS-Kassetten. Die Glorifizierung und Verklärung der Bosse in Romanen, Filmen und Serien wie in „Gomorrha“, „Der Boss der Bosse“ oder „Clan der Kinder“ kritisieren Anti-Mafia-Anwälte seit jeher.

Der italienische Altmeister Marco Bellocchio geht in seinem neuen Epos „Il Traditore – Als Kronzeuge gegen die Mafia“ einen anderen Weg. Er verweigert sich der Mythosbildung und erzählt den realen Fall von Tommaso Buscetta. Dieser ist als Kronzeuge dafür verantwortlich, dass in den 1980ern 360 Angeklagte verurteilt wurden. Im legendären Prozess im Gerichtsbunker in Palermo wird die Mafia erstmals als das sichtbar gemacht, was sie ist: eine brutale Organisation voller ordinärer Verbrechen und unehrenhafter Männer.

Bellocchio porträtiert den titelgebenden Verräter als Mann voller Widersprüche, als „Boss in zwei Welten“, als Frauenheld und Familienmensch und einen, der keine Reue zeigte, sondern aus dem Gefängnis in Italien floh und in Brasilien sein Gangsterleben fortsetzte. Bis er an den Mafia-Jäger Giovanni Falcone (ermordet 1992) ausgeliefert wird, bei dem er zu „singen“ beginnt. Pierfrancesco Favino brilliert als bulliger, sentimentaler und eitler Kronzeuge, der, obwohl er nach dem Prozess stets um sein Leben fürchten muss, friedlich in seinem Bett stirbt. Ein später zweiter Schlag gegen die Cosa Nostra.

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