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Film"Gemini Man": Will Smith mal Zwei

Ang Lees 14. Spielfilm bietet dank modernster Kameratechnik faszinierende Bild-Erlebnisse, allerdings eine nicht allzu zwingende Story. Ab 3. Oktober im Kino.

Will Smith ist der "Gemini Man"
Will Smith ist der "Gemini Man" © AP
 

Vor 27 Jahren legte der gebürtige Taiwanese Ang Lee mit "Pushing Hands" sein Debüt vor. Es folgten populäre, teils epochemachende Werke wie "Brokeback Mountain" (Regie-Oscar 2006) oder "Life of Pi" (Regie-Oscar 2013). Mit "Gemini Man" liefert er einen bildgewaltigen Thriller mit modernster Kameratechnik und Will Smith in einer Doppelrolle - Adrenalin-Action mit Hintersinn. Ab Donnerstag im Kino.

Bei "Gemini Man" handelt es sich um Ang Lees 14. Spielfilm. An Smiths Seite agieren unter anderen Clive Owen ("Valerian - Die Stadt der tausend Planeten"), Mary Elizabeth Winstead ("10 Cloverfield Lane") und Benedict Wong ("Doctor Strange"). Am Drehbuch zum Zweistünder beteiligt war auch der durch die legendäre Fantasy-Serie "Game of Thrones" bekannte David Benioff.

Auch der Aufwand ist ein Thriller

Der in 3D gedrehte Streifen verfügt über eine besonders hohe Bildrate. Während normale Kinostreifen mit 24 Bildern pro Sekunde aufwarten, kommt der sicher ziemlich teure Thriller "Gemini Man" (je nach Kino) mit einer Rate von bis zu 120 Bildern pro Sekunde in die Lichtspielhäuser. Eine Technik, die dazu führt, dass man jede Hautpore der Darsteller erkennt.

Man kennt das aus anderen Action-Filmen: Ein gealterter Recke, in diesem Fall der Agent und Scharfschütze Henry Brogan (Smith), möchte sich nach unzähligen Einsätzen endlich zur Ruhe setzen, endlich Seele und Körper umsorgen. Aber auch Brogan muss noch darben bis zum verdienten Ruhestand, die 72 Auftragsmorde, die der Berufskiller bereits in seinem Portfolio weiß, die sollen noch nicht genügen. Das Angeln und die Bonsai-Bäumchen, das alles muss noch warten.

Dass Brogan es diesmal ausgerechnet mit einer jüngeren Version seiner selbst (der Klon entstammt einem geheimen DNA-Projekt namens "Gemini") zu tun bekommt, macht die Sache nicht eben einfacher: Junior, so der Name des geklonten Brogan, sieht diesem nicht nur zum Verwechseln ähnlich (wenn auch ohne Falten und graues Haar), er ist auch an Gewehr und Pistole genauso agil und kundig. Und versteht es zudem, so manch Schritt seines fast doppelt so alten DNA-Vorbilds vorherzusagen. Nur gut, dass der alte Brogan eine junge Agentin (Winstead) an seiner Seite hat.

Gerade hat Will Smith in Budapest nicht nur diesen, von Action-Ikone Jerry Bruckheimer mitproduzierten Film vor Fans präsentiert, sondern ebendort auch seinen 51. Geburtstag begangen. Einen Filmstar dieser Größe (man denke an Auftritte wie Smiths legendäre Performance in "Men in Black") durch einen digitalen Jungbrunnen zu schicken, um das dabei entstandene Alter Ego sodann auf Smith anzusetzen - man kann diese Idee für durchaus fraglich halten. Und deren Umsetzung dann doch ganz charmant finden: Smith - und das ist beileibe nicht jedem Hollywoodianer gegeben - nimmt sich und sein Alter in diesem Film in keiner Sekunde zu ernst; immer wieder gibt es selbstironische Momente.

Zeugnis einer Midlilfe-Crisis

Wer will, kann den Action-Thriller "Gemini Man" (in den 1970ern gab es eine TV-Serie gleichen Titels), dessen eigentliche Story nicht allzu elaboriert ist, auch als Zeugnis einer Midlife-Crisis deuten: Ein alternder Agent respektive Kino-Star, der sich im Rückblick auf sein jüngeres, am Computer generiertes Selbst seiner Vergangenheit stellt, um festzustellen, dass er diese nie vollends wird abschütteln können. Richtig emotional indes wird es nie; auch in der darauf angelegten Szene, in der beide, Junior und Brogan, feuchte Augen haben, überträgt sich dieses Gefühl nicht in den Kinosaal.

In Kombination aber führen die 3D-Technik und die höhere Bildrate mehrfach zu höchst faszinierenden Bild-Erlebnissen: ein sich gleichsam in den Kinosaal hinein biegender, um eine Kurve rasender Zug, fliegende Glassplitter, die sich von der zweidimensionalen Leinwand gen Betrachter zu bewegen scheinen. Nicht zuletzt eine ziemlich tollkühne und wunderbar gefilmte Verfolgungsjagd auf Motorrädern. Und doch: Die teils dokumentarisch anmutenden Einstellungen (Kamera: Dion Beebe, Oscar 2006 für "Die Geisha") sind immer wieder von einer fast aseptisch zu nennenden Kälte, die einen frösteln lässt.

Sollte das zukünftige Blockbuster-Kino derart klinisch anmuten, sollte dieser Film ein Vorbote sein, dann sollte man das hergebrachte, das weniger porenscharfe Mainstream-Kino mit gehörig Schminke und vielen, vor allem den Darstellern schmeichelnden Farbfiltern vor seinem endgültigen Verschwinden noch einmal ordentlich genießen. Ang Lee aber zeigt auch mit "Gemini Man", dass er zu den Kinomachern gehört, über deren Filme es sich noch immer vortrefflich diskutieren lässt.

 

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