Lange vor „Iron Man“ oder dem unglaublichen „Hulk“, selbst noch bevor „Spider-Man“ seine Netze schoss, waren sie das Aushängeschild des Marvel’schen Comic-Heroismus: die „Fantastic Four“. 1961 von den Szene-Koryphäen Stan Lee und Jack Kirby erschaffen, versprachen die mutierten Superfreunde in der Nachkriegsära das langersehnte Stück Hoffnungskitsch. Und waren in ihrer unbändigen Lust, nach den Sternen zu greifen, ein zeitgemäßer Indikator für Durchbrüche innerhalb der Raumforschung. In der aktuellen Verfilmung „The Fantastic Four: First Steps“, ausgerechnet der vierten nach einer Trilogie gescheiterter Versuche, besinnt man sich auf die Ursprünge zurück.
Den Geist der Sixties trifft man durch und durch – wenngleich mit neumodischem Spin. Der Mode von einst wird nun der Erfindungsgeist der Zukunft gegenübergestellt. Man hat sich dem sogenannten Retrofuturismus verschrieben. Warum der Mix aus Alt und Neu aufgeht, erklärt Schauspieler Ralph Ineson der Kleinen Zeitung. „Es verleiht dem Erzählten eine gewisse Authentizität, da es exakt das Design, exakt die Ära verkörpert, in der die Originalstoffe geschrieben wurden. Es ist etwas Besonderes, einen Film mit klar definiertem Setting zu drehen, denn man hat die Möglichkeit, eine Geschichte aus einer anderen Perspektive zu sehen, anstatt sie in modernen Umgebungen mit modernen Sitten anzusiedeln.“ „Und es ist ästhetisch einfach wahnsinnig ansprechend“, fügt Schauspiel-Kollegin Julia Garner („Ozark“) hinzu.
An der Seite von Superstar Pedro Pascal oder Ebon Moss-Bachrach, „Szenedieb“ der preisverdächtigen Küchenserie „The Bear“, schlüpfen Garner und Ineson in die Rollen der Widersacher. Besser gesagt: Sie leihen diesen die Stimmen. Das menschliche Antlitz der Marvel-Newcomer verschwindet nämlich hinter tonnenweise Special Effects. Ineson verkörpert Galactus, den kosmischen Welteneroberer, welcher der Erde mit totaler Vernichtung droht. Garner dessen treue Untertanin Shalla-Bal, die mit versilbertem Surfboard durch die Galaxie brettert – eine weibliche Neuinterpretation des berühmten „Silver Surfer“.
Bedrohlichkeit primär über die Stimme zu transportieren, war kein leichtes Unterfangen. Garner, die übrigens von Madonna handverlesen wurde, die Pop-Diva in einem geplanten Biopic darzustellen, fand Rückendeckung in Poesie. „Es mag schräg klingen, aber ich hab mir Aufnahmen von T.S. Eliot angehört. Die Energie, mit der er jeden Satz von den Lippen bringt, hat mich inspiriert. Warum genau, weiß ich selbst nicht.“ Ineson, dessen dunkles Timbre sein Markenzeichen ist (u. a: „Game of Thrones“, „The Witch“) halfen dagegen Atemtechniken, die adäquate Klangfarbe für seinen Space-Giganten zu finden.
„Ich hab mich gefragt: Wie schaffe ich es, dass er sich so groß und mächtig anfühlt? Skurrilerweise war es letztlich so, als hätten sich Teile meines Unterbauchs und meiner Rippen geöffnet, und mir ermöglicht, noch eine Oktave tiefer zu sprechen als meine normale Sprechstimme“, erläutert der Brite.
Nachsatz: „Ich hoffe es klingt unheimlich.“ Mission erfüllt, kann man da nur sagen.