The Life of Chuck
Stephen King mag für Horror bekannt sein, er schrieb jedoch auch feinfühlige Erzählungen. „The Life of Chuck“ gehört zur Sammlung „Blutige Nachrichten“. Aufgeteilt auf drei Zeitebenen wird von Chuck erzählt: Obwohl er weiß, dass er jung an einem Gehirntumor sterben wird, betont die Erzählung die Fülle seines Lebens. Da sind noch sein alter Lehrer (Chiwetel Ejiofor) und dessen Ex-Frau (Karen Gillan), die wörtlich das Ende des Universums miterleben, als Chuck im Spital liegt. Da ist jene Episode, als Chuck (nun Tom Hiddleston) auf der Straße in einen Tanz ausbricht. Der Film verfällt nie in übertriebene Sentimentalität, er betont, dass jeder Moment zählt. (sg) ●●●●○
The Fantastic Four: First Steps
Aller guten Dinge sind drei, behauptet ein Sprichwort. Bei den „Fantastic Four“, dem von Stan Lee und Jack Kirby 1961 erschaffenen Heldenquartett, sollte es aber vier Anläufe brauchen, bis man der Comic-Grandezza der Vorlagen im Kino gerecht wurde. Die Zahl vier, die die blau-weißen Latexanzüge des Teams ziert, war nicht umsonst ihre Glückszahl.
Eine Fügung des Schicksals, für die Regisseur Matt Shakman den Marvel-Kosmos vorübergehend in ein Paralleluniversum verlegte. Auf die Erde-828, eine retrofuturistische Alternativwelt, in der hypermoderne Gadgets und altmodischer Charme der „Roaring Sixties“ koexistieren. Kleine Hilfsroboter, rüstige Radios, die Garderobe einer vergangenen Ära. In dieser für Marvel ungewohnt ästhetisierten Welt sind die Vier die Rockstars und Idole ihrer Zeit: der elastische Forscher Reed Richards alias Mr. Fantastic (Pedro Pascal), Ehefrau und Unsichtbarkeitsexpertin Sue Storm (Vanessa Kirby), ihr aufmerksamkeitsheischender Bruder Johnny (Joseph Quinn) und der zum entstellten „Ding“ mutierte Astronaut Ben Grimm (Ebon Moss-Bachrach). Alles setzt auf ihre Kräfte, als sich Übles ankündigt. Galactus (Ralph Ineson), ein kosmischer Gigant, der alles Leben mit sich aufsaugt, lenkt seine destruktiven Mächte auf die Erde. Und plant den Neo-Eltern im Team, ihr Neugeborenes zu entwenden. Familienwerte werden großgeschrieben, die Dynamiken geben dem Film eine spielerische Note. Gröbere Leiden des Genres wie ein überladener Schlussakt werden nicht vermieden. In seiner Stilisierung ist dieser „Fantastic Four“ ausgefallen und amüsant genug, um aus der homogenen Marvel-Masse herauszustechen. (pog) ●●●○○
Oxana
„Als Frau in der Ukraine kannst du entweder heiraten oder dich prostituieren“, sagt die junge Oxana Schatschko (Albina Korzh). Die anderen geben ihr Recht und gemeinsam beginnen sie, dagegen zu kämpfen. Der Grundstein für Femen ist gelegt, deren Aktivistinnen mutig mit entblößten Brüsten gegen die Herrschenden, das Patriarchat und Prostitution protestieren. Im Biopic „Oxana“ erzählt die Regisseurin Charlène Favier bilderstark von der Selbstermächtigung, der Folter, vom Medien-Hype und den Träumen der Ikonenmalerin, die sich 2018 mit 31 Jahren suizidierte. Großartiger, nicht verklärender Film über eine Künstlerin und Aktivistin. (js) ●●●●○