Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist Superman! „Schon wieder?“, werden manche meinen. Keine unberechtigte Frage, denn dieser Aufguss aus der Feder von James Gunn („Guardians of the Galaxy“) ist die dritte Leinwand-Inkarnation des Überfliegers in nur 20 Jahren. Das gewohnte Backstory-Gedöns spart man sich immerhin. Samt Texttafeln wird das gleich zu Anfang abgehakt. Die alte Leier des Außerirdischen Kal-El, der vom fernen Planeten Krypton als Waise auf der Erde strandete, der – dem schlichten Brillentrick sei Dank – als Clark Kent nun ein unauffälliges Doppelleben als Journalist und Menschenretter führt und sich unsterblich in Kollegin Lois Lane verknallt. Zutaten, die seit dem Erstauftritt in den legendären „Action Comics“ im Jahr 1938 Grundbausteine der Erzählungen sind. Auch in der neuen Version. Im Reboot, ein Versuch, das gescheiterte Erzähluniversum von Marvel-Rivale DC zu revitalisieren, ist dieser Superman schon Superman. Ein voll funktionsfähiger Held mit flatterndem Cape, geliebt wie gehasst. Der aber auch hin und wieder Niederlagen einstecken muss.

Symbol der Hoffnung

Die Neuinterpretation zeigt ihren Titelhelden mit dem großen S auf der Brust als Hoffnungs- und Sympathieträger der Massen. Auch Superman, oft als Symbolfigur uramerikanischer Werte hochgehalten, ist im Grunde Immigrant.

Wie leicht jemand der Herkunft wegen zum Sündenbock stilisiert werden kann, ist gar wichtiger Plotpunkt: Superman wird zum Opfer einer Hetzjagd des Medienmoguls und Erzwidersachers Lex Luthor (amüsant kauzig: Nicholas Hoult). Nebst effektüberladenen Materialschlachten, mit denen James Gunn stilistisch den Cartoons seiner Kindheit huldigt, siegt in diesem Blockbuster zur Abwechslung das Kleine. Das Zwischenmenschliche. Eine Umarmung der Adoptiveltern. Spielereien mit dem putzigen Superhund. Das herzhafte Geturtel mit Lois Lane, gefühlsecht getragen von Newcomer David Corenswet und Darstellerin Rachel Brosnahan, die als „Marvelous Mrs. Maisel“ vorab bereits die Streaming-Welt verzauberte. Da gibt es keine Scheu vor kitschigen Kalendersprüchen. „Ein großes Herz zu haben ist der Inbegriff von Punk-Rock“, sagt Clark in einer Szene halbscherzend zu seiner Geliebten.

James Gunn, der über Umwege aus dem Low-Budget-Horror-Fach im Superheldenkosmos landete, meint es ernst. Seine rebellische Ader ist im Kommerz nie verloren gegangen. Genauso wenig aber sein Herz aus Gold. Hier überstrahlt es jeden noch so pathostriefenden Moment mit purer Aufrichtigkeit. Fast schon erfrischend ist es, mal wieder einen Superheldenfilm zu sehen, der sich vor seiner Comichaftigkeit nicht versteckt, der sich auch erlaubt, albern sein zu dürfen. Ganz ohne Marvel’schem Augenzwinkern. Der Titelheld: ein fliegender Retter, der allen Menschen in Not herbeieilt, ganz unabhängig von Herkunft und Status. Ein warmer, kunterbunter Gegenentwurf zu Trumps Amerika und wohl der Blockbuster der Stunde.

Bewertung: ●●●●○