Er ist erst 28, aber er hat trotz Corona in zweieinhalb Grazer Spielzeiten schon etliche schauspielerische Glanzpunkte gesetzt. Als junger Liebender in Wajdi Mouawads Drama „Vögel“, als narzisstische Narzisse in Caren Jeß‘ „Bookpink“, als Krankenschwester und Doppel-Mordopfer in Dürrenmatts „Die Physiker“, zuletzt als exaltierter Filmemacherr in Svenja Viola Bungartens „Garland“ und als Nick in „Making a Great Gatsby“.

In Shakespeares „Sommernachtstraum“ ist Frieder Langenberger nun in gleich fünf Rollen zu sehen: als Zeremonienmeister Philostrat, als Zimmermann Squenz, als Elf, Findelkind und im Prolog. Dabei darf der junge Schauspieler nicht bloß Wandlungsvermögen, sondern auch Fitness beweisen. Allein zwölfmal muss er zum Kostümwechsel in die Kulisse, „während man die Schuhe zugebunden bekommt, tauscht man das Oberteil.“ Das geht nur dank eines präzisen Räderwerks von Ankleiderinnen und Ausstattern, und wenn jeder Handgriff sitzt.

Handwerkertrupp auf Komödientripp: Gerhard Balluch, Alexej Lochmann, Oliver Chomik, Franz Solar und Frieder Langenberger (ganz rechts) in "Ein Sommernachtstraum"
© Lex-Karelly

Andererseits: fünf kleinere Rollen, was kann man, jenseits der sportlichen Herausforderung, da als Schauspieler überhaupt zeigen? In schnellem Wechsel unterschiedliche Körperlichkeiten ausprobieren, sagt Langenberger, habe seinen Reiz. Außerdem: „Ich symbolisiere in dem Stück das Prinzip der Verwandlung.“ Was recht nachvollziehbar klingt angesichts eines Stücks voller Traumwandler, Zauberei und Liebeswirren, in dem sich nebst Menschen auch Elfen und ein anarchischer Kobold tummeln und ein braver Handwerker einen Eselskopf angehext bekommt.

Komödienspezialist Markus Bothe hat das Stück über die berauschende, unberechenbare und oft genüg verstörende Macht des Begehrens inszeniert. Als streitendes Elfenkönigspaar Titania und Oberon sind Vera Bommer und Matthias Lodd zu sehen, den Kobold Puck gibt Florian Köhler. Mit den Rollen von Philostrat und Squenz hat Langenberger jedenfalls zwei komödiantische Gustostückerl ausgefasst – und von Bothe auch viel Freiheit und Möglichkeit bekommen, mit den Figuren zu experimentieren, erzählt er. Dabei, konzediert der Schauspieler, sei die Erzeugung von Komik jedenfalls harte Arbeit: „Gerade im Komödienspiel ist der Partnerbezug enorm wichtig, man probt das extrem oft, damit Rhythmus und Tempowechsel so perfekt sind, dass sie mit Leichtigkeit und wie erstmals gesagt wirken.“

Langenberger, in Stuttgart geboren, hat in Graz Schauspiel studiert. Nach einem Düsseldorf-Abstecher zum nunmehrigen Wiener Volkstheater-Chef Kay Voges in seinem letzten Studienjahr („eine extrem lehrreiche Erfahrung“) ist noch ungewiss, ob er mit Schauspielhaus-Intendantin Iris Laufenberg nach Berlin abwandert oder unter der kommenden Chefin Andrea Vilter in Graz bleibt. Die Arbeit hier mit Regisseurinnen wie Claudia Bossard und Anita Vulesica waren jedenfalls „Meilensteine meiner schauspielerischen Entwicklung“, sagt er. In den noch kommenden anderthalb Spielzeiten sind weitere nicht unwahrscheinlich. Und sein nächstes Projekt in der verbleibenden Saison ist schon fix: Im Mai wird Langenberger in einem weiteren Shakespeare-Stück zu sehen sein. Im „Macbeth“ hat er aber nur drei Rollen.