AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

''Der Prozess''Die halbe Heimkehr des Gottfried von Einem

Einems Oper „Der Prozess“ erklingt in Salzburg nur konzertant - eine Kastration.

HK Gruber mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien. © Salzburger Festspiele / Marco Borrelli
 

Opern leben aus der Spannung zwischen dramatischer Handlung und Musik. Es bleibt daher ein Rätsel, wieso die Salzburger Festspiele Jahr für Jahr wieder Opern in Form von Konzerten anbieten.

Dass die Reduktion auf die Musik eines Musikdramas nur eine Schwundstufe des Werks vorzuführen vermögen, erwies sich bei Gottfried von Einems Kafka-Vertonung „Der Prozess“ wieder eindrucksvoll. Eingeklemmt zwischen ihren Pulten und dem dominanten Orchester versuchten die Sänger immer wieder, dem fließenden Dialog Gesten hinzuzufügen, über die Kollegen hinweg Kontakt aufzunehmen, um wenigstens etwas von der beklemmenden Handlung auch sichtbar zu machen.

Nicht alle Opern fokussieren so intensiv auf das Wort, auf die Interaktion wie diese. Das Werk beginnt sogar ganz ohne Musik. Erst mit dem Auftritt der rätselhaften Boten, die Josef K. seine vorerst folgenlose Verhaftung mitteilen, setzt der Sog dieser vielfältig schillernden Komposition ein. Wie in Kafkas Roman, das dem Opfer bis zuletzt nicht erklärt, nach welchem Gesetz es überhaupt angeklagt und am Ende hingerichtet wird, erfährt auch der Hörer nicht, nach welchen ständig wechselnden Regeln Einem gerade versucht, die Angst des Protagonisten auf ihn zu übertragen. Seine reduzierte, rhythmusbetonte Musiksprache fesselt auch ohne solche Einsicht vom ersten Gong bis zum finalen Orchesterschlag.

Einems Schüler HK Gruber meißelt als begeisterter Anwalt seines Meisters die Feinmotorik des Werks behutsam heraus und lässt das ORF-Orchester immer wieder seine Krallen ausfahren. Michael Laurenz ist Josef K. Hin und hergerissen zwischen Protest und Angst, Trotz und Zärtlichkeit drängt der intensive, schlanke Tenor zum gestischen Ausdruck, der ihm verwehrt bleibt. Ilse Eerens verkörpert alle vier Frauen im kargen Gemütsleben des Opfers mit samtiger Innigkeit. Aus dem homogenen Ensemble, das jeweils mehrere Rollen abzudecken hatte, stach noch Jochen Schmenkenbecher, Johannes Kammler und Tilmann Rönnebeck als brutale Repräsentanten des Systems hervor. Jubel wie nach der Salzburger Uraufführung 1953. Es hätte ein Triumph werden können.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren