Kennengelernt hat sich das Trio während des Architekturstudiums an der TU Graz. Klaudia Ruck und Roland Winkler gründeten bald danach in Klagenfurt gemeinsam das Architekturbüro Winkler + Ruck. Ferdinand Čertov blieb in Graz, gründete ebenfalls ein Architekturbüro – und wurde bald zum Konkurrenten, wie sie lachend erzählen: „Wir haben ähnliche Prinzipien, was das Bauen betrifft. Und so kam es, dass einmal wir einen Architekturwettbewerb gewannen und dann wieder Ferdinand“, erzählt Roland Winkler. Also hat man eine naheliegende Lösung gefunden: „Wir arbeiten zusammen und das sehr gut“, erzählt Čertov.

Den Beweis dafür treten sie gerade (wieder einmal) an: Im Jahr 2016 haben sie den Architekturwettbewerb für das „Landesmuseum neu“ gewonnen, am 20. November wird das altehrwürdige Rudolfinum als kärnten.museum völlig erneuert wiedereröffnet. Dafür wurde unter anderem eine ganz neue Situation rund um das Haus geschaffen: „Durch den Eingang in der Seitengasse, wo ständig Autos parkten, wirkte das Gebäude irgendwie versteckt.“ Diese Situation wollte man dringend ändern, also machte man die Gasse autofrei, wodurch sie plötzlich wesentlich breiter wirkt – nun steht das Landesmuseum auf einem repräsentativen Platz mit 50 neu gepflanzten Bäumen und Sträuchern. Das Haus selbst sollte luftig, offen und hell sein: „Wir haben es genommen, umgedreht und so lange geschüttelt, bis alles Überflüssige herausgefallen ist“, lacht Roland Winkler. So wurden zum Beispiel die Innenhöfe wieder geöffnet und bekamen ein Glasdach: „Nun haben wir mehr: mehr Raum, mehr Platz, mehr Licht. Und das Museum soll ein Ort des Mitmachens und des Dialogs sein.“ Auch auf Nachhaltigkeit wurde Wert gelegt: So wird das Museum nun mittels Wärmepumpensystem beheizt, für das man das Grundwasser nutzt.

Rechts ein erster Blick in das kärnten.museum, das sich nun offen und hell unter dem Glasdach präsentiert
© Reztej

Das Landesmuseum ist übrigens nicht das einzige Großprojekt in diesem Bereich: Winkler, Ruck und Čertov planen auch das neue Wien Museum neben der Karlskirche – und diese Baustelle ist um einiges größer: „Das Volumen ist ungefähr das Siebenfache des Landesmuseums“, erzählen sie. Dieser Architekturwettbewerb war weltweit ausgeschrieben, die drei Architekten haben sich gegen 274 Mitbewerber durchgesetzt.
Wichtig ist ihnen dabei der respektvolle Umgang mit dem Material, sei es bei den Schulprojekten (BRG Seebacher Graz, Schulzentren in Kühnsdorf oder Wölfnitz) oder bei Privathäusern (für die allerdings zuletzt wenig Zeit war). Und so wurden auch schon bei der „Schatzkammer Gurk“ gemeinsam mit den Handwerkern vor Ort die Details entwickelt.

Das mag damit zu tun haben, dass Roland Winkler (57) praktisch im Klagenfurter Tischlereibetrieb der Eltern aufgewachsen ist. Das Architekturstudium war für ihn dann auch immer das Ziel: „Es gab keinen Plan B“, erzählt er. Für Klaudia Ruck (56) war der Weg allerdings nicht ganz so klar: Die gebürtige Weizerin wollte eigentlich Kunst studieren, dafür hätte sie aber nach Wien gehen müssen. Graz war reizvoller und so entschied sie sich für die Architektur – die beiden gemeinsamen Söhne Artur und Tristan sind übrigens in Sachen Studium in die Fußstapfen der Eltern getreten. Im Team ist Klaudia Ruck vor allem das Korrektiv: „Ich bin kritisch und hinterfrage alles. Roland hebt gerne ab und ich bin für die Erdung zuständig. Gemeinsam entsteht eine gerade Flugbahn“, sagt sie lachend.

Auch Ferdinand Čertov hat ursprünglich eher in Richtung Kunst gedacht, denn er hat Skulpturen geschaffen: „Einer meiner Brüder hat in Graz bei Giselbert Hoke Vorlesungen gehört und war ganz begeistert.“ Das war die Initialzündung für das Architekturstudium des zweisprachig aufgewachsenen Zellers. Heute pendelt er zwischen Graz und Kärnten, wo seine beiden Kinder in Feistritz im Rosental leben. Für die Kunst bleibt neben den Großprojekten wenig Zeit, auch wenn er sich im Haus des Großvaters in Zell ein Atelier eingerichtet hat.

In rund einem Jahr soll auch das Wien Museum Neu wieder der Öffentlichkeit übergeben werden – dann bleibt wohl wieder mehr Zeit für die Kunst. Und auch für das Segelboot, mit dem Roland Winkler und Klaudia Ruck leidenschaftlich gerne auf dem Wörthersee unterwegs sind.