Eisner AwardVon Superhelden als Gewinnern, dem Horror im Wald und einsamen Autoren

Beim weltweit wichtigsten Comic-Preis, dem Eisner-Award, räumten Superhelden-Verlage wie DC oder Marvel ab. Mit der Anthologie "Menopause" oder der ungewöhnlichen Graphic Novel "The Loneliness of the Long-Distance Cartoonist" konnten auch alternative Comic-Arbeiten punkten. Bester Autor wurde James Tynion IV.

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"Something is Killing the Children" erscheint auch auf Deutsch
"Something is Killing the Children" erscheint auch auf Deutsch © Splitter Verlag
 

Im Wald hauste schon die Hexe, die Hänsel und Gretel in den Ofen schieben wollte. Der Wald als dunkler Ort, an dem Mysteriöses und Geheimnisvolles geschehen, ist ein Motiv bei "Harry Potter" wie auch in "Herr der Ringe". James Tynion IV wählt in seiner Graphic Novel "Something is Killing the Children" auch den Wald, um dort ein böses und dunkles Wesen zu verstecken, das die Kleinstadt Archer's Peak in Angst und Schrecken versetzt.

Der US-Autor, der mit dem auf Deutsch derzeit bei Splitter erscheinenden Dreiteiler "Something is Killing the Children" eine sehr brutale, aber großartig erzählte Horror-Story ablieferte, ist einer der großen Gewinner der diesjährigen "Will Eisner - Comic Industry Awards". Der bei der Comic-Con San Diego vergebene Preis ist nach dem Wegbereiter der modernen Graphic Novel Will Eisner benannt. Tynion erhält den begehrten Award "Best Writer" - auch für seine Arbeiten für Batman-Comics und "The Department of Truth".

Damit holte Tynion für DC - einer der großen amerikanischen Superhelden-Verlage - einen Preis. Weitere DC-Trophäen: "Best limited Series" für "Superman smashes the Klan" (von Gene Luen Yang and Gurihiru) und "Beste Publikation für Kinder 9 bis 12" für "Superman's Pal Jimmy Olsen" (von Matt Fraction and Steve Lieber). Auch Marvel holte sich einige Preise: In der Kategorie "Best New Series" gewann "Black Widow" von Kelly Thompson and Elena Casagrande.

Die US-Autorin Mimi Pond gewann in der Kategorie "Best Short Story" mit der für Comics eher ungewöhnlichen Geschichte "When the Menopausal Carnival Comes to Town", die Geschichte ist in der Anthologie "Menopause: A Comic Treatment" enthalten. Der gesamte Band selbst gewinnt den Preis für "Best Anthology".

Eine herausragende und sehr ungewöhnliche Graphic Novel ist Adrian Tomines "The Loneliness of the Long-Distance Cartoonist" (der Titel spielt auf das Buch "Die Einsamkeit des Langstreckenläufers" von Alan Sillitoe an). Die Graphic Novel, leider noch nicht auf Deutsch erschienen, ist im Stile eines Notizbuches gestaltet: Auf den karierten Seiten erzählt Tomine - zeichnerisch auf das Wesentliche reduziert - seine Geschichte als Autor und Zeichner. Tomine, ein New York Times-Bestsellerautor, rechnet in diesen Memoiren mit dem Comic-Geschäft selbst ab - witzig und ehrlich. Als Leser ist man von dieser schonungslosen Ehrlichkeit immer wieder ein Stück weit erschüttert.

In der Comic-Industrie haben digitale Produkte bisher keinen großen Nachhall hinterlassen, weil sowohl Leser und Leserinnen als auch Verlage und Kreative dem Print-Produkt den Vorzug geben. Grafisch komplexe Comics oder Graphic Novels sind am Bildschirm schlecht lesbar, Doppelseiten oder gar Altarfalze (ausklappbare Seiten) wirken im Print-Produkt auch besser. Dennoch zollt man dem Digital-Comic auch bei der Comic-Con Resepekt: "Best Digital Comic" ist "Friday" von Ed Brubaker und Marcos Martin. Als "Best Web Comic" wurde "Crisis Zone" von Simon Hanselmann ausgezeichnet.

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