Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

SecessionGrüne Kokosnüsse, eine Tuba und freier Eintritt

Wiedersehen nach dem Lockdown: Die Secession zeigt zwei neue Ausstellungen von Lawrence Abu Hamdan und Till Megerle sowie die Schau "Edi Hila: Der Klang der Tuba".

Wieder zu sehen: Edi Hila, Der Klang der Tuba. © Secession/Oliver Ottenschläger
 

Die Secession öffnet ihre Tore am morgigen Dienstag mit zwei neuen Ausstellungen von Lawrence Abu Hamdan und Till Megerle sowie der Wiedereröffnung der seit Mitte September laufenden Schau "Edi Hila: Der Klang der Tuba". An diesem ersten Tag nach dem Lockdown ist der Eintritt gratis.

"Green Coconuts and Other Inadmissible Evidence" nennt sich die Schau des 1985 in Jordanien geborenen Künstlers Lawrence Abu Hamdan, der heute in Dubai lebt und arbeitet. In der bis zum 7. Februar laufenden Ausstellung zeigt er vier Arbeiten aus zwei Werkgruppen, die sich mit dem Themenbereich der Zeugenaussage auseinandersetzen. Sie sind Teil seiner Fragestellungen zur Relevanz und Problematik von akustischen Indizien im Rahmen der Beweisfindung vor Gericht.

"Die Ausstellung bricht für andere Formen von Zeugenschaft eine Lanze, die den juristisch abgesteckten Rahmen für Augen- oder Ohrenzeugenaussagen sprengen und darüber hinaus auch insgesamt Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit, Wahrheit und Wahrheitsfindung herausfordern mögen", heißt es dazu in der Ankündigung. Eines der Werke ist dabei die audiovisuelle Installation "After SFX (2018)", die aus einer 2016 zusammen mit Amnesty International und Forensic Architecture unternommenen Untersuchung zum syrischen Foltergefängnis Saydnaya entstand. Hamdan interviewte ehemalige Häftlinge und erstellte mit ihnen ein Soundarchiv des Gefängnisses, das Rückschlüsse über die Architektur, die Haftbedingungen, die Anzahl der Gefangenen geben sollte.

Teil der Installation ist die Zweikanal-Videoarbeit "Once Removed", die den Künstler im Gespräch mit dem jungen Historiker Bassel Abi Chahine über dessen umfangreiches Archiv zeigt. "For the Otherwise Unaccounted" hingegen ist eine Serie von grafischen Arbeiten, für die Hamdan das Buch "Reincarnation and Biology: The Etiology of Birthmarks" von Ian Stevenson aus dem Jahr 1997 als Quelle diente. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Fällen aus aller Welt, bei denen die Art, wie jemand zu Tode kam, bei der Wiedergeburt Spuren in Form von Muttermalen hinterließ.

Verschlungene Körper

Der aus Bayreuth stammende und in Wien lebende Künstler Till Megerle präsentiert unterdessen in "To be kind" 13 neue Zeichnungen aus den letzten drei Jahren. Sie zeigen Szenen mit seltsam verschlungenen und deformierten Körpern sowie Porträts von Jugendlichen vor Landschaften am Stadtrand, in denen eine Atmosphäre vager Entfremdung und Schweigsamkeit dominiert. "Die Bilder verweisen stets auf das Inkonstante, Fremdartige und Psychedelische des Alltäglichen", heißt es dazu in der Ankündigung. "Die dargestellten Figuren scheinen die Würgegriffe, in denen sie sich tatsächlich oder im übertragenen Sinne befinden, oft selbst auszuüben."

Als Ausgangspunkt dienen Megerle kunsthistorische Quellen wie etwa Bilder von Pieter Bruegel und Matthias Grünewald, aber auch popkulturelle Referenzen wie Skateboarding- und Gabber-Videos. Zur Ausstellung erscheint eine vom Künstler konzipierte Publikation mit zahlreichen Abbildungen, die die Zeichnungen der Ausstellung in einem größeren Werkzusammenhang zeigen, und einem Text von Aziza Harmel.

Weiterhin zu sehen ist die Schau "Edi Hila: Der Klang der Tuba": Dabei ist herkömmliche Malerei mit ganz und gar nicht herkömmlicher Vorgeschichte zu sehen. Der 1944 in Shkodra geborene und in Berlin lebende Maler, 1972 in seiner Heimat mit Berufsverbot belegt, zeichnet den Veränderungsprozess in Albanien mit ungewöhnlichen und teilweise auch unheimlichen Bildern nach.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!
Kommentieren