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Bilanz zum steirischen herbst Digitale Einsamkeiten in Coronazeiten

Der steirische herbst pflegte einen mutigen und offensiven Umgang mit der Coronakrise. Doch gutgetan hat das gewählte Krisenformat dem Festival nicht.

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"Lulu" im Grazer Opernhaus © Mathias Voelzke
 

Die gute Nachricht zuerst: Der steirische herbst endet am Sonntag nicht. Die Laufzeit von Paranoia TV, dem Internet- und App-Schauplatz des Festivals 2020, wird bis 31. Dezember verlängert. Die Inhalte des Festivals werden damit 100 Tage lang zugängig sein, und nicht nur, wie mittlerweile gewohnt, drei Wochen.

Die „radikale Antwort“ auf die Coronakrise, nämlich das Festival gutteils ins Netz zu verlegen, habe „den Nerv der Zeit getroffen“, befand herbst-Intendantin Ekaterina Degot beim gestrigen Bilanzgespräch. Fast 25.000 Besucher aus 117 Ländern verzeichnete Paranoia TV. Bisher wurde auf die heuer für den herbst produzierten Talkshows, Spiele, Filme und Serien knapp 66.000 Mal zugegriffen. Insgesamt hätten User in den drei Festivalwochen also rund 3100 Stunden bzw. 125 Tage mit Paranoia TV verbracht, rechneten Degot und ihr Team vor.

„Museen müssen das bessere Netflix werden“, hat jüngst der Kurator und Medientheoretiker Peter Weibel im „Monopol“-Magazin gefordert. Insofern wäre Degots Entscheidung die richtige. Zumal sich in herbst-Formaten wie Ingo Niermanns „Deutsch Süd-Ost“ oder Lina Majdalanies und Rabih Mroués „Second Look“ tatsächlich abgezeichnet hat, was die Intendantin „neue hybride Formen, neue Genres“ nennt.

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