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Gedenken60 Jahre Werner Schwab: Interesse an Nachlass und Aufführungen wächst

Drei Dramen des 1994 verstorbenen Werner Schwab waren noch nie in Graz zu sehen. Es gibt etliche Veranstaltungen zum Geburtstag des Autors am 4. Februar , u. a. ein Erinnerungsabend im Schauspielhaus Graz, eine Archivführung am Grazer Franz-Nabl-Institut und eine Hommage im Burg-Kasino Wien.

Werner Schwab (1958 - 1994) © GAMÜKL/GALLEI
 

Der Dramatiker Werner Schwab wäre am 4. Februar 60 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass gibt es in Graz mehrere Veranstaltungen, die den Ausnahmekünstler mit Popstar-Flair würdigen. Auch im Burgtheater-Kasino ist eine Hommage geplant. Der umfangreiche Nachlass des am Neujahrstag 1994 verstorbenen Steirers wird immer noch aufgearbeitet, drei seiner Dramen waren bisher noch nie in Graz zu sehen.

Werner Schwab wurde nach seinem internationalen Durchbruch mit der Uraufführung von "Volksvernichtung oder Meine Leber ist sinnlos" 1991 an den Münchner Kammerspielen in kürzester Zeit zu einem der meistgespielten Dramatiker auf deutschen Bühnen. Seine Stücke pflegten einen neuen Theaterstil, die Sprache war unverwechselbar. Nach zehn Jahren der Ablehnung von vielen namhaften Verlagen gab es 1989 eine erste öffentliche Aufführung eines seiner Werke in Graz. "Das Lebendige ist das Leblose und die Musik" wurde im "Bronx" gezeigt und war mehr als nur Text, es nannte sich "Ein Tonstück in zwei Teilen". Der Text wurde bisher noch nie publiziert, Zitate daraus fanden aber Eingang in "Hochschwab". Das Interesse an Schwabs Bühnenwerk war zunächst groß, flaute aber nach der Jahrtausendwende etwas ab.

2010 kaufte das Land Steiermark von Schwabs Witwe Ingeborg Orthofer den Nachlass. "Durch den Ankauf wurde Schwab in der Steiermark wieder verstärkt wahrgenommen", meint Daniela Bartens, die im Franz-Nabl-Institut der Universität Graz für die Hinterlassenschaft des Schriftstellers zuständig ist, im APA-Gespräch. Von den 16 Dramen wurden drei noch nie in Graz inszeniert, eines davon "Der Himmel mein Lieb meine sterbende Beute" war zumindest als französisches Gastspiel zu sehen, erinnert sich Bartens. "Offene Gruben offene Fenster" und "Antiklimax" vermisste man aber bisher auf den Bühnen der Heimatstadt des Autors.

Das Schauspielhaus hat bisher acht Dramen von Schwab gezeigt, davon drei als Uraufführungen ("Mesalliance oder Wir ficken uns prächtig" 1992, "Pornogeografie" 1993, "Troiluswahn und Cressidatheater") und "Faust::Mein Brustkorb:Mein Helm") als Österreichische Erstaufführung im Herbst 2017. Aber auch andere Gruppen spielten den Autor, so zeigte das Theater im Bahnhof als erste Bühne in Graz "Volksvernichtung oder Meine Leber ist sinnlos", im Theater im Kino Arnfels war "Mein Hundemund" zu sehen, die Kunstuniversität und dramagraz spielten "Übergewicht, unwichtig: Unform".

Allzu früh verstorben: Werner Schwab Foto © APA/Droschl

Der 60. Geburtstag des mit 35 Jahren verstorbenen Künstlers wird mit einigen Veranstaltungen gefeiert. Das Schauspielhaus Graz und das Franz-Nabl-Institut zeichnen am 4. Februar für den Abend "Weil eine richtige Grazkunst, die ist keine Mausescheiße" im Haus zwei des Schauspielhauses verantwortlich, an dem u.a. FM Einheit, Rudi Widerhofer und Ingeborg Orthofer teilnehmen. Dabei wird auch eine Führung durch das Archiv angeboten. "Das ist wirklich eine Archivführung, man sieht, wie alles gelagert ist. Ich zeige dann Einzelstücke wie Arbeitsbücher, Schulhefte oder die vielen ablehnenden Schreiben von Verlagen", erläutert Daniela Bartens, die Interessierten das Schaffen Schwabs näherbringen wird. Texte und Musik des Schriftstellers bietet die Galerie Crazy und im Literaturhaus gibt es Lesungen und Aktionen rund um Schwab. Das Burgtheater nennt seine Hommage "Endlich tot endlich keine Luft mehr". Im Kasino lesen Ensemblemitglieder Schwab-Texte.

Die Aufarbeitung des Nachlasses ist aber noch längst nicht abgeschlossen. Derzeit arbeiten Bartens, Orthofer und Germanist Harald Miesbacher an einem "Dossier online", einem "Forschungsprojekt zu frühen Prosaschriften", erzählt Bartens. "Im Laufe dieses Jahres sollen Aufsätze wieder zugänglich gemacht werden, neue Aufsätze erfasst und Interviews aus der Ausstellung von 2014 online gestellt werden."

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