Clemencics jüngstes Werk beschäftigt sich mit dem ältesten literarischen Text der Menschheit, dem 5.000 Jahre alten mesopotamischen Epos über König Gilgamesch, seinem Freund Enkidu und seiner Suche nach Unsterblichkeit. Die von Librettistin Kristine Tornquist selbst inszenierte Produktion des sirene Operntheaters, die bis 29. Mai noch fünfmal zu sehen ist, wirkt selbst wie aus der Zeit gefallen. Das von Francois-Pierre Descamps dirigierte szenische Oratorium für 13 Sänger und ein Kammerorchester aus fünf Streichern, fünf Blechbläsern und fünf Schlagwerkern zeigt musikalische Eigenständigkeit und Eigenwilligkeit und geht seinen eigenen Weg zwischen einem Menschheits-Mythos, in dem Götter, Naturwesen und Menschen miteinander ringen, und dem 21. Jahrhundert, in dem sich vertraute Handy-Klingeltöne aus dem Publikum in das intendierte Klangbild mischen können.
Clemencics "Gilgamesch"-Oper uraufgeführt
Der 87-jährige Wiener Cembalist, Flöten- und Clavichordvirtuose, Komponist, Dirigent und Musikwissenschafter Rene Clemencic ist ein Phänomen. Seit Jahrzehnten gibt er seine Begeisterung für die vielfältigsten Aspekte von Kultur- und Musikgeschichte an nachfolgende Generationen weiter. Am Freitag erlebte er in der Wiener Ankerbrotfabrik die Uraufführung seines Oratoriums "Gilgamesch".