Als Krisenmanagerin wurde die aktuelle ORF-Intendantin Ingrid Thurnher bereits hochgelobt, da war sie noch eher kurz im interimistischen Amt. In den letzten Tagen war ihre Performance allerdings eher so mittel. Nun ließ sie wissen, dass sie die veröffentlichten Weißmann-Chats als „verstörend und schockierend“ empfand. Einige Tage davor hatte die von ihr einberufene Compliance-Kommission den Vorwurf sexueller Belästigung nicht bestätigt. Weder strafrechtlich noch nach dem Gleichbehandlungsgesetz. Und Thurnhers damalige Behauptung, der Vorwurf sei „damit vom Tisch“, klingt im Nachhinein damit mehr als schal. Hat die Kommission unzureichend gearbeitet, verfügte sie über zu wenige Daten oder hat sie einfach falsche Schlüsse gezogen?

Kein gutes Zeugnis

Kein gutes Zeugnis für Thurnhers Krisenmanagement, schon bei der ersten Krisenbewältigungsmaßnahme danebenzuhauen, aber immer noch besser als die andere, unwahrscheinliche Möglichkeit: Dass Thurnher sich der Tragweite der Chats immer bewusst war, ihrer Empörung erst nach deren Veröffentlichung Luft verschaffte, als es sozusagen opportun war. Wie dem auch sei, ihre Performance scheint bereits nicht mehr Teil der Lösung zu sein, sondern Teil des Problems.