George Lucas ist ein Mysterium: Man weiß sehr viel über den Erschaffer von Star Wars, Indiana Jones und American Graffiti. Gleichzeitig bleibt er ein Rätsel. Als er 1977 mit Star Wars einen Kassenerfolg ohnegleichen ablieferte, galt er als einer der Erneuerer Hollywoods. Aber Lucas gab sich mit dem vielen Geld und dem Schulterklopfen nicht zufrieden, der Mann aus Modesto, Kalifornien, war ein Visionär.

Die gerade erschienene Comic-Biografie „George Lucas – Episode II“ beginnt im Jänner 1977 (und setzt damit den Vorgänger „Der lange Weg zu Star Wars“ aus dem Verlagshaus Splitter fort): Mark Hamill, der als Lichtschwert schwingender Luke Skywalker viel zum Erfolg beigetragen hat, überlebt nur knapp einen Autounfall und Lucas und seine Frau Marcia besuchen ihn im Krankenhaus. „Meinetwegen wirst du die Fortsetzung zu Star Wars nicht drehen können“, befürchtet Hamill in der Graphic Novel. Lucas glaubt zu jener Zeit auch nicht daran, doch als vier Monate später die Sternensaga in die Kinos kommt, beginnt die Reise erneut. Inflationsbereinigt ist der erste Star Wars-Film nach wie vor in den Top 5 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten.

Letzter Feinschliff von Regisseur Kershner und George Lucas
Letzter Feinschliff von Regisseur Kershner und George Lucas © Splitter-Verlag

Irrungen und Wirrungen

Zeichner Renaud Roche und Szenarist Laurent Hopman haben eine wunderbare Geschichte aus dem unerschöpflichen Star Wars-Universum herausgeschält und erzählen Lucas Weg mit allen Irrungen und Wirrungen. Die Graphic Novel ist ein echter Pageturner, der auf jeder Seite mit fantastischen Fakten aufwartet. Lucas macht sich nach dem Erfolg von Star Wars zunächst daran, sein eigenes Reich zu erschaffen: Die Skywalker Ranch. Ein Refugium für Filmschaffende mit einer Bibliothek, Vorführsälen und Schnitträumen. Und ein Ort, wo er mit den „Möglichkeiten der Computertechnik experimentieren“ konnte. Die Graphic Novel begleitet Lucas auf der Suche nach einem Team für „Das Imperium schlägt zurück“. Lucas selbst wollte nicht mehr Regie führen und auch nicht mehr das Drehbuch schreiben. Leigh Brackett übergab er das Drehbuch, sie hatte schon mit Alfred Hitchcock und Robert Altman gearbeitet. Und für die Regie dachte er an Irvin Kershner, seinen ehemaligen College-Professor. Das Budget war ein ewiger Kampf und wurde auch heillos überzogen: 31 Millionen Dollar kostete der Film, spielte aber über 500 Millionen Dollar ein und zählt inflationsbereinigt noch heute zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten.

Die Geschichte fängt die Aufbruchstimmung dieser Filmschaffenden gut ein und zeigt auch, wie sehr Lucas davon besessen war, seine Unabhängigkeit zu bewahren.

R. Roche/ L. Hopman. George Lucas - Episode II. Splitter-Verlag, 208 Seiten, 31,95 Euro.