Eine Frau, „nennen wir sie Ida“ (Jessie Buckley), erzählt „Frankenstein“-Autorin Mary Shelley (ebenfalls Buckley) aus dem Jenseits, erwacht. Das heißt, erst einmal muss sie sterben, als sie in einem Anfall von Wut die kriminelle Korruption und die übergriffigen Männer der Stadt laut an den Pranger stellt. Doch kaum liegt sie tot am Fuße eines Stiegenaufgangs, da wird sie bereits im Labor der Wissenschaftlerin Dr. Euphronious (Annette Bening) wiederbelebt. Dies ist eine zweite Chance, ohne Angst und Einschränkungen ihr wahres Ich zu sein.
Frankensteins Monster
Auch wenn Dr. Euphronious Ida nicht wie Shelleys Dr. Frankenstein aus einem egozentrischen Komplex heraus, sich mit Gott zu messen, zum Leben erweckt, so sind ihre Motive ebenfalls getrübt. Frankensteins Monster, genannt Frank (Christian Bale), ist einsam und wünscht sich eine Gefährtin. „Es gibt auch andere Wege, Sex zu haben“, erklärt ihm die Doktorin. Frank scheint jedoch eines jener männlichen Einhörner zu sein, die nicht nur den Körper, sondern auch die Gesellschaft einer Frau wollen. Doch Ida, nun die Braut genannt, entpuppt sich weiterhin vom unbändigen Geist Shelleys besessen. „Das möchte ich lieber nicht“ ist ihre Reaktion auf Kontrolle.
Gyllenhaal verliert sich oft im Effekt
Regisseurin Maggie Gyllenhaal schickt die „Monster“ daraufhin auf eine Reise quer durch die USA, nachdem das erste Date mit einem Doppelmord begonnen hat. Zwei Männer wollen sich an der Braut vergreifen. Ein Motiv, das sich leider immer wieder durch die Handlung zieht. Wenn fast jeder Mann sich als potenzieller Vergewaltiger entpuppt und Frank seine Braut immer wieder „retten“ muss, scheint das Thema verfehlt.
Ebenso unschlüssig bedient sich Gyllenhaal der „Female Rage“, der Wut von Frauen gegenüber Ungleichheit und Unterdrückung. Filme wie „Gone Girl“ oder „Promising Young Woman“ haben dem Rachedrama zu neuen Höhenflügen verholfen. Doch Gyllenhaal verliert sich oft im Effekt, in musikalischen oder blutrünstigen Szenerien, die wenig Substanz haben. Buckley und Bale brillieren als ungezügeltes Untoten-Paar. Doch die feministische Offenbarung, die man sich vielleicht erhofft hatte, ist der Film nicht.