Er hat zuletzt einiges an Russland-Expertise gesammelt: In der opulenten und vom Kreml zunächst geförderten und später bekämpften Literaturverfilmung „Meister und Margarita“ war August Diehl als teuflische Figur Woland, der fiese Apparatschiks quält, im Kino zu sehen. „Im Oktober 2021 habe ich Russland verlassen, im Februar 2022 fing der Krieg an“, erzählte August Diehl der Kleinen Zeitung.
Nun glänzt der 49-Jährige beim Bühnen-Comeback in Österreich – wieder in einer russischen Geschichte. In der Uraufführung von Vladimir Sorokins „Der Schneesturm“ bei den Salzburger Festspielen irrlichtert er als Dr. Garin durch den ewigen russischen Winter. Drei Stunden lang tobt, halluziniert und kämpft er sich durch das Schneegestöber, sein virtuoses Spiel trägt die Inszenierung von Kirill Serebrennikov.
Was für ein Bühnentier! Unvergessen – und mit einem Nestroy-Preis gekrönt – bleibt der von ihm als faszinierendes Nervenbündel verkörperte Dänenprinz in „Hamlet“ am Wiener Burgtheater. Der Wahnsinn und der Wahnwitz stehen der Spielernatur.
Als manischer, drogensüchtiger Hacker, der für den KGB spioniert, wird der Student der Berliner Ernst-Busch-Schauspielschule 1998 im Thriller „23 – Nichts ist so wie es scheint“ über Nacht berühmt. Viele Filmeinsätze von Deutschland bis Hollywood folgen: In „Ein verborgenes Leben“ widersetzte er sich als Franz Jägerstätter dem Kriegsdienst.
In „Salt“ spielt er den Mann von Angelina Jolie, in „Inglourious Basterds“ einen Gestapo-Major und als Zauberer Petrosilius Zwackelmann begeisterte er ein junges Publikum. Die nächste Titelrolle: KZ-Arzt Josef Mengele, Regie führt erneut Kirill Serebrennikov.