Der Film ist ihr gewidmet: der ukrainisch-amerikanischen Kamerafrau Halyna Hutchins, die am 21. Oktober 2021 an den Folgen eines tragischen Unfalls mit einer historischen Waffe am Set von „Rust“ verstorben ist. Im Abspann erscheint ihr Name auf Englisch und Ukrainisch und es ist folgende Frage zu lesen: „Wie können wir das besser machen?“ Das habe sie ihn nach jeder Einstellung gefragt, erzählte Regisseur Joel Souza nun in einem Interview mit der britischen Tageszeitung „The Guardian“. Er selbst wurde von dem Schuss, der später seine Bildgestalterin tötete, an der Schulter getroffen.
Eigentlich hätte der Colt mit einer Platzpatrone geladen sein sollen, doch scharfe Munition war in die Kammer gelangt. Wie genau, konnte bis heute nicht ermittelt werden. Der tödliche Schuss, ausgelöst von Hollywoodstar Alec Baldwin bei einer Probe, bestimmte in den Wochen danach die Schlagzeilen und regte eine heftige Debatte über den Gebrauch von echten Waffen und zu laschen Sicherheitskontrollen an Filmsets an. Der Vorfall dominierte für Monate die Schlagzeilen: Es kam zu gegenseitigen Schuldzuweisungen und gleich mehreren Strafverfahren. Ein Bericht bescheinigte den Produzenten des Films – darunter auch Alec Baldwin – Fehler und Gleichgültigkeit gegenüber der Arbeit mit Waffen am Set. „Eine Fehlentscheidung nach der anderen wurde getroffen“, erinnert sich der Regisseur zurück, ohne mehr Details zu nennen.
Bei einem Prozess im Vorjahr haben Geschworene die Waffenmeisterin Hannah Guttierez-Reed wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen, sie verbüßt eine 18-monatige Haftstrafe. Baldwins Prozess wurde eingestellt, als sich herausstellte, dass die Staatsanwaltschaft Beweismittel falsch behandelt hatte. Er zahlte der Familie von Hutchins eine Entschädigung.
18 Monate nach dem tödlichen Vorfall wurde überraschend weiter gedreht, Kamerafrau Bianca Cline setzte die Bildgestaltung nach dem Konzept von Hutchins fort. Dass dieser Film ab 1. Mai in die Kinos kommt, mag viele überraschen. Souza betont, man wäre damit dem Wunsch der Familie nachgekommen. „Ich wünschte, ich hätte den verdammten Film nie geschrieben“, sagt er nun. Und: „Der Film handelt von den Folgen von Gewalt. Er beinhaltet einen klaren Anti-Waffen-Aspekt.“ Eine ausführliche Kritik über „Rust“ und die Banditenrolle von Baldwin lesen Sie am Donnerstag. Über den kontroversen Star seines Projektes sagt der Filmemacher: „Wir sind keine Freunde. Wir sind keine Feinde. Es gibt keine Beziehung.“ Wenige Worte, große Aussagekraft.