Basel und Yuval sind Freunde, die ein gemeinsamer Kampf verbindet. Vor einem Jahr standen sie zusammen auf der Bühne des Berlinale Palasts am Marlene-Dietrich-Platz. Ihr Film “No Other Land” erhielt u.a. den Dokumentarfilmpreis des Festivals. An diesem Abend waren sie nicht die Einzigen, die sich zum Nahostkonflikt äußerten. Aber wohl die einzigen, die aus erster Hand davon sprechen konnten – ganz im Gegensatz zu anderen westlichen Filmemachenden mit ihren karierten Schals. Die kleine Doku „No Other Land“ fiel in einen Festival-Jahrgang nach dem Massaker der Hamas an israelischen Zivilisten.

Der Film (Ko-Regie Rachel Szor und Hamdan Ballal) ist die Geschichte von Basel Adra aus Masafer Yatta im Westjordanland. Eine seiner ersten Erinnerungen als Fünfjähriger ist die Verhaftung seines Vaters. Wie er kämpft auch Basel gegen die Zerstörung seiner Dorfgemeinschaft durch die israelische Armee. Die will ausgerechnet dort ein militärisches Übungsgelände errichten – ein Vorwand für die Vertreibung arabischer Bewohner und eine Landnahme im unlösbaren Puzzle des Westjordanlands. 

Basel hat in Israel am Bau gearbeitet, um sich das Jus-Studium zu finanzieren. Das erzählt er dem jüdischen Journalisten Yuval Abraham, der mit Artikeln über die Situation seinen eigenen anti-zionistischen Kampf führt. „Bist du so ein Menschenrechts-Israeli“, fragen ihn die Araber bei seinem ersten Besuch. Gerne hätte man mehr über die Gedanken der beiden Männer erfahren, abseits der akuten Ereignisse. Doch auch der Film verschreibt sich dem Kampf, der wenig Platz für ein normales Leben lässt. Über eine Familie will Basel in seiner Situation gar nicht nachdenken, als ihn sein jüdischer Freund Yuval nach der Zukunft fragt. 

Neben dieser Freundschaft porträtiert der Film vor allem den frustrierenden Widerstand gegen die Zwangsräumungen der immer wieder aufgebauten, palästinensischen Häuser – symbolische Bilder, wie ein Schulgebäude niedergewalzt oder ein Brunnen zubetoniert wird. Nächtliche Razzien und Verhaftungen stehen ebenso am Plan, wie von der Armee geduldete Angriffe bewaffneter Siedler. Zwischen den wackeligen Handkamerabildern gibt es Momente der Ruhe, wie sie ein Film im Gegensatz zu hektischen Nachrichten liefern kann. 

Verständnis für eine Existenz

Für das größere Bild des ewigen Nahostkonflikts hält „No Other Land“ nichts Neues bereit. Aber er schafft auf aktivistische Weise Verständnis für einen Aspekt der palästinensischen Existenz. Der Film wurde im Oktober 2023 fertig. Ein paar kurze Sätze am Ende schlagen den Bogen zur Zeit nach dem 7. Oktober. „No Other Land“ liefert eine aktivistische Zeugenschaft über einen gewaltlosen Kampf, nicht mehr und nicht weniger.

Bewertung: ●●●○○