Im internationalen Festivalcircuit sind ihre Filme schon seit langem gefragt: Beim Max Ophüls Festival in Saarbrücken war Johanna Moder ebenso bereits vertreten wie bei der Diagonale in Graz, in Telluride, in Montreal, in Zürich. Dass ihr neuester Film „Mother’s Baby“ / „Mutterglück“ in den Wettbewerb der Berlinale (13. bis 23. Februar) aufgenommen wurde und damit auf einem der großen A-Festivals läuft, holt die 1979 in Graz geborene Filmemacherin endgültig ins internationale Scheinwerferlicht. Im Wettbewerb tritt sie gegen 18 Mitbewerber an – darunter sind so bekannte Regie-Kaliber wie Richard Linklater und Radu Jude.
Berlinale 2025
Geburt als Albtraum
Moders Thema ist substanziell: In „Mother’s Baby“ erzählt sie (nach einem gemeinsam mit Arne Kohlweyer verfassten Drehbuch) von einer Geburt jenseits der weichgezeichneten Bilder und richtet den Blick auf eine Mutter, die daran zweifelt, dass man ihr das eigene Kind in den Arm gelegt hat: Zu dem Neugeborenen scheint eine seltsame Distanz zu bestehen.
Sie habe, so Moder, sich mit einer dominierenden gesellschaftlichen Erzählung befassen wollen: „Dass die Geburt eines Kindes das schönste Ereignis in einem Leben ist.“ Denn für viele Frauen überwiege ein anderer Aspekt: „Eine Geburt kann auch ein Albtraum sein und es hat eine Schwere und Langeweile, viel Zeit mit kleinen Kindern allein, ohne Ansprache, ohne Feedback, Tag für Tag in einer reinen Versorger:innenrolle zu verbringen. Ich halte es für wichtig auch darüber zu erzählen.“
Schritt in die Internationalität
Nicht nur für das Produzententeam Sabine Moser und Oliver Neumann (Freibeuter Film) ist die Regisseurin „eine außergewöhnlich starke, persönliche und eigenwillige Stimme im österreichischen Filmschaffen“. In etlichen Filmen hat sich Moder schon bisher mit unbehaglichen Themen befasst und ist dabei in erstaunlich leichthändigem Umgang zu wesentlichen Fragen vorgedrungen: In „High Performance“ (2014) nutzte sie die romantische Komödie als Vehikel einer Studie über die Abstrusitäten unterschiedlicher Lebensentwürfe. In „Waren einmal Revoluzzer“ (2019) widmete sie sich der Hilfslosigkeit eines Grüppchens Gutwilliger im Umgang mit einem Flüchtling.
In den letzten Jahren als TV-Regisseurin gefragt, inszenierte sie Folgen der ORF-Serie „School of Champions“ und den Passau-Krimi „Zeit zu beten“ für die ARD. Erst jüngst lief von der Regisseurin, die mit ihrer Familie in Wien lebt, der Stalking-Thriller „Ewig Dein“ im ORF (noch bis 28. Juni auf ORF On).
„Mother’s Baby“ markiert nun den Schritt in eine breitere Internationalität, der Film ist mit Marie Leuenberger, Hans Löw, Claes Bang und Julia Franz Richter exquisit besetzt. In die österreichischen Kinos kommt er im Herbst.