Industrielehre Sackgasse? Stehen bleiben? Sicher nicht!

Christoph Baumhackl hat sich den Weg vom Tischlerlehrling zum Spezialisten für virtuelle Realität gebahnt. Nadine Ritz hat sich als Kfz-Technikerin bis zur Meisterin hochgearbeitet. Zwei bemerkenswerte Karrieren.

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Christoph Baumhackl von Umdasch in Leibnitz und Nadine Ritz von Magna Steyr in Graz
Christoph Baumhackl von Umdasch in Leibnitz und Nadine Ritz von Magna Steyr in Graz © (c) Juergen Fuchs (FUCHS Juergen)
 

Die Karrierewege von Nadine Ritz (26) und Christoph Baumhackl (27) sind vor allem von Veränderungen geprägt. Getrieben von der voranschreitenden Digitalisierung verändern sich auch Berufsbilder, völlig neue Chancen eröffnen sich.

Als Nadine Ritz 2007 nach dem Abschluss des Polys bei Magna eine Lehre zur Kfz-Technikerin und Elektrikerin beginnt, sind Frauen in diesen Berufen noch rar. Beeindrucken ließ sie sich davon nicht. „Es mag sein, dass man sich damals als Frau immer etwas mehr beweisen musste, es braucht auch Durchsetzungsvermögen. Aber letztlich geht es um Ehrgeiz und Begeisterung für den Beruf“, betont Ritz. Und ihr Lebensweg untermauert, wie weit man es mit dieser Einstellung bringen kann. Bereits während der Lehre hat sie mit der Berufsmatura begonnen und diese auch abgeschlossen – ebenso wie die Meisterprüfung für Kfz-Technik. Es folgte die Unternehmerprüfung. Dass sie „nebenbei“ 2010 beim Landeslehrlingswettbewerb auch noch zur besten Kfz-Technikerin der Steiermark gekürt wurde, passt da irgendwie ins Hochglanzbild. „Wenn man sich für diesen Beruf interessiert, kann man auch verschiedenste Richtungen einschlagen und dann ist in einem großen Unternehmen wie unserem auch fast alles möglich“, betont Ritz. Freilich, die Türen gilt es selbst zu öffnen.

Shopkonzepte erst einmal virtuell „erleben“

Das bestätigt auch Christoph Baumhackl, der heute ganz offen zugibt, „dass ich bis zu meinem 18. Lebensjahr überhaupt nicht so richtig wusste, was ich beruflich machen soll“. Das Gymnasium hat er abgebrochen und sich mit 19 für eine Tischlerlehre entschieden. Der Anfang einer bemerkenswerten Laufbahn.

Christoph Baumhackl
Christoph Baumhackl Foto © (c) Juergen Fuchs (FUCHS Juergen)
Handwerklich von seinem Opa geprägt und seit jeher leidenschaftlich mit dem Werkstoff Holz verbunden, startete Baumhackl durch. Er hat die Lehre schließlich mit Matura absolviert und sich bei den Geschäftebauspezialisten von Umdasch in Leibnitz in die Design-Abteilung hochgearbeitet. Von den technologischen Veränderungen und Digitalisierungsprozessen profitiert auch der heute 27-Jährige. Im Unternehmen ist Baumhackl heute Profi für virtuelle Realität. Wie es dazu kam? „Mein Chef wollte damals einen Rundgang als Video umgesetzt haben, mir ist dann eingefallen, dass ich das eigentlich auch in Form eines Spiels aufbauen könnte, und ich habe angeregt, dass man das auch mit virtueller Realität versuchen sollte.“ Gesagt, getan. Heute entwickelt und programmiert er Systeme, die es ermöglichen, dass Kunden gewisse Shopkonzepte erst einmal virtuell „erleben“ können. „Es ist ja nicht immer so einfach, sich vorher alle Details vorzustellen, dabei hilft dann die virtuelle Realität, von VR-Brillen bis hin zu 360-Grad-QR-Codes für Smartphones.“ Programmieren hat sich Baumhackl zum großen Teil im Selbststudium beigebracht, „ich werde bei der Weiterbildung aber auch sehr stark von Umdasch unterstützt“.

"Vom Prototyp bis zum Serienfahrzeug . . . faszinierend"

Diese Unterstützung erfährt auch Nadine Ritz bei Magna. Sie ist heute in der Fehleranalyse für Elektrik und Produktmanagement für die Mercedes G-Klasse tätig. Eine Schnittstelle zwischen Entwicklung und Fertigung. „Uns werden intern auch viele Kurse angeboten, von technischen Schulungen bis hin zur Persönlichkeitsbildung.“ Diese Weiterbildung mache die Arbeit aus ihrer Sicht „noch viel attraktiver“. Und sie ist gleichzeitig Grundlage dafür, für die ständigen technologischen Veränderungen gerüstet zu sein.

Nadine Ritz
Nadine Ritz Foto © (c) Juergen Fuchs (FUCHS Juergen)
„Den Werdegang eines Autos – vom Prototyp bis zum Serienfahrzeug – miterleben zu dürfen, ist sehr faszinierend“, betont Ritz. Das gelte u. a. auch für Weiterentwicklungen in den Bereichen der Bordelektronik und des Infotainments in Autos. „Es ist fast unvorstellbar, was sich heute alles in diese Steuergeräte integrieren lässt und wie schnell sich das weiterentwickelt.“ Mit dem autonomen Fahren, der E-Mobilität und dem damit einhergehenden Fokus auf die Hochvolttechnik sind die nächsten technologischen Trends längst angekommen. „Diese Abwechslung und das Neue machen den Reiz des Berufs für mich aus.“