Industrie 4.0„Coole Geschichten für junge Menschen“

Roland Sommer, Geschäftsführer der Plattform Industrie 4.0, über den digitalen Wandel und neue Berufsbilder.

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© dieindustrie.at/Mathias Kniepeiss
 

Industrie 4.0 und Digitalisierung prägen und verändern auch die Ausbildung. Wo stehen wir?
ROLAND SOMMER:  Ganz allgemein würde ich einmal sagen, wir stehen nicht so schlecht da. Es ist grundsätzlich natürlich so, dass wir sehen, dass die technologische Entwicklung rasend schnell vonstattengeht und Bildungssysteme immer darauf reagieren müssen, weil es da eine zeitliche Verzögerung gibt. Das wird immer mehr eine Herausforderung, weil der technologische Wandel immer schneller voranschreitet.

Welche Rolle spielt dabei die Industrielehre?
Gerade die Fachkräfteausbildung in Österreich, das sehen wir auch im internationalen Vergleich, ist wirklich gut. Schon vor Jahren gab es eine sehr spannende Untersuchung zum Thema „Hidden Champions“, also zu Unternehmen, die beispielsweise in einer speziellen Nische oder Branche Technologie- und/oder Marktführer sind. Mehr als 50 Prozent dieser „Hidden champions“ kommen demnach aus dem deutschsprachigen Raum, vor allem aus Deutschland und Österreich.

Woran liegt das?
Weil im deutschsprachigen Raum durch die Lehrlingsausbildung und die daraus resultierenden Fachkräfte viel besser mit hoher Komplexität umgegangen werden kann, als das in vielen anderen Ländern der Fall ist.

So gut wie alle Lehrberufe werden derzeit um digitale Inhalte erweitert, wie beobachten Sie diese Entwicklung?
Wir haben uns angesehen, wie es bei naturwissenschaftlichen und technischen Lehrberufen aussieht, da gibt es wirklich sehr gute Ansätze, es ist Herausforderung und gleichzeitig Notwendigkeit, dass man hier stärker digitale Inhalte mittransportiert und in die Lehrpläne aufnimmt. Ich glaube, wir sind hier auf einem guten Weg.

Berufsbilder ändern sich, wie reagieren Industriebetriebe?
Betriebe müssen sich im Kampf um den gut ausgebildeten, talentierten Nachwuchs attraktiv machen, da spielen auch zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten eine Schlüsselrolle. Wir sehen auch schon, dass jene Unternehmen, die sich da unheimlich viele Gedanken machen und kreativ vorgehen, als Arbeitgeber attraktiver werden. Ich kenne das Beispiel eines Unternehmens, das seine Lehrlinge zur Nasa geschickt hat, oder Firmen, die Auslandspraktika anbieten. Das zeigt schon auch, dass eine Industrielehre erstens hochqualitativ ist, aber auch coole Geschichten für junge Menschen bereithält.

Die Plattform Industrie 4.0 hat eine Kompetenzstudie durchgeführt. Was wird zukünftig noch stärker gefragt sein?
Als klarer Trend zeigt sich, dass neben den Grundkompetenzen und fachlichen Kompetenzen digitale und überfachliche Kompetenzen immer wichtiger werden. Überfachliche Kompetenzen wie Kreativität, komplexe Problemlösungsfähigkeiten oder ein Um-die-Ecke-Denken können nicht oder nur schwer „digitalisiert“ werden. Fachliche Kompetenzen sind für die Industrie 4.0 wichtig, vor allem die Fertigkeiten im MINT-Bereich. Darüber hinaus müssen wir daran arbeiten, auch die überfachlichen und digitalen Kompetenzen stärker in Aus-, Fort- und Weiterbildungen zu vermitteln.

Kompetenzstudie der Plattform Industrie 4.0

Der Verein „Industrie 4.0 Österreich“ wurde 2015 als Initiative des österreichischen Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie sowie von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden gegründet.

Diese erarbeiten gemeinsam mit Mitgliedern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Interessenvertretungen in spezifischen Expertengruppen Strategien zur nachhaltigen und erfolgreichen Umsetzung der Digitalisierung.

Die Plattform Industrie 4.0 hat sich in einer Studie mit der Frage beschäftigt, welche Anforderungen sich aus der Anwendung von Industrie 4.0/Digitalisierung an Aus-, Fort- und Weiterbildung in Österreich ergeben.

Insgesamt 81 Empfehlungen in sieben definierten Handlungsfeldern hat die Plattform zu diesem Zweck formuliert:

  • Neue und alte Lerninhalte kombinieren
  • Vielfalt der Lernorte schaffen
  • Zugang zum Lernen fördern
  • Rahmenbedingungen optimieren
  • Kooperationen fördern
  • Traditionelle Rollenbilder aufbrechen
  • Eine Weiterbildungsstrategie entwickeln

Alle Details gibt es hier

PI4.0/(c) Johannes Zinner (Johannes Zinner) Roland Sommer
© PI4.0/(c) Johannes Zinner (Johannes Zinner)