So verändert Cortisol dein Aussehen! So senkst du deinen Cortisol-Level! Das sind Anzeichen, dass du zu viel Cortisol im Körper hast! Internet-Persönlichkeiten versprechen in kurzen Video-Sequenzen schönere Haut, einen strafferen Körper oder erholsamen Schlaf. Die Pauschallösung dafür: Das Stresshormon Cortisol senken.
Hat der Algorithmus der präferierten App einmal erfasst, dass man sich für einen gesunden Lebensstil interessiert, steht man plötzlich vor einem großen Berg an Information. Die Überforderung setzt ein. Es wird immer schwerer zu entscheiden, wo Wissenschaft aufhört, und Fehlinformation beginnt. Und diese gibt es in den sozialen Medien genug. Das wissen auch der Forscher Stefan Pilz von der Medizinischen Universität Graz und die Fachärztin für Endokrinologie Bianca Itariu. Fakt oder irreführend? Sie checken die häufigsten Behauptungen zum Trend-Hormon auf ihren Wahrheitsgehalt.
Mythos: „Ich selbst kann meinen Cortisol-Haushalt regulieren“
Weniger Zeit am Handy verbringen. Eine entspannte Morgenroutine schaffen. Ein paar Nahrungsergänzungsmittel mehr einnehmen. Wenn es nach den lauten Stimmen in den sozialen Medien geht, erscheint es ganz einfach, das Cortisol-Level selbst zu senken. Aber kann das überhaupt funktionieren?
Endokrinologin Bianca Itariu weiß: „Unsere Hormone können wir kaum regulieren.” Das müssen wir allerdings auch nicht. Denn: „Unser Körper wird so viel Cortisol produzieren, wie in der Regel gebraucht wird.” So steigt bei belastenden Situationen das Cortisol im Blut, bei Entspannung geht es zurück. „Es geht vereinfacht darum, den richtigen Cortisolspiegel für die jeweilige Lebenssituation zu haben”, ergänzt Pilz. Das sei aber ohnehin eine unbewusste Aufgabe des menschlichen Hormonhaushaltes.
Mythos: „Ich habe zu viel Cortisol im Körper.“
.Grundsätzlich kann man nicht davon sprechen, dass viel Cortisol schlecht und wenig gut sei, sagt Pilz. Klar ist: „Das Hormon ist lebensnotwendig.“ Zwar ist es richtig, dass manche Menschen bei bestimmten Krankheiten zu viel oder zu wenig Cortisol im Blut haben (siehe Infobox). Aber in den meisten Fällen passt der Körper den Cortisol-Spiegel automatisch an.
Dazu kommt: In vielen Videos wird das Stresshormon Cortisol mit Stress an sich gleichgesetzt. Zwar spielt Cortisol eine Rolle in der Stressreaktion des Körpers – die Hormone Adrenalin, Noradrenalin und die Schilddrüsenhormone aber ebenso.
Natürlich seien regelmäßige Sporteinheiten, ausgewogene Ernährung und Erholungsphasen in der Natur förderlich für die Gesundheit. Jedoch: „Gesundheit rein an dem Cortisol-Gehalt im Blut zu messen ist zu kurz gedacht und fällt für mich unter die Kategorie ‚gefährliches Halbwissen‘“, so Itariu.
Mythos: „Cortisol verändert mein Aussehen”
„Ich konnte gerade meinen Augen nicht trauen“ - Mit staunendem Blick schaut eine Frau mit blonden Haaren in die Kamera. Im Hintergrund blendet sie ein vier Jahre altes Bild von sich ein. Statt blond ist sie hier noch brünett. „Cortisol-Face“ nennt sie ihr minimal rundlicheres Gesicht auf der Aufnahme. In dem folgenden 90-Sekunden-Video erklärt sie auf Tiktok, wie sie es geschafft hat, ihr „Cortisol-Gesicht“ zu verlieren.
Dass die Tiktokerin im Video vor vier Jahren ein Cortisol-Gesicht hatte, ist aber zu bezweifeln. „Es gibt Menschen mit länglichen Gesichtern, mit rundlichen, mit quadratischen. Bei der Brillenauswahl kann man das berücksichtigen. Über die eigene Cortisol-Produktion sagt das aber in den meisten Fällen gar nichts aus“, sagt Itariu. Und auch Pilz relativiert: Eine reine Gewichtszunahme bzw. Adipositas ohne massiv auffällige und ungewöhnliche körperliche Veränderungen sei kein Grund, an ein „Cushing Syndrom“ zu denken.