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Forschung aus KärntenKeutschach als Mosaikstein der Jungsteinzeit

Um die Pfahlbauten im Keutschacher See zu schützen, wurden 2019 Erosionsschutzmatten ausgebracht. Ihr Nutzen wird jetzt überprüft.

Archäologische Taucher sichern die Pfahlbauten im Keutschacher See © Kuratorium
 

Jäger, Fischer, Sammler und Bauern – sie alle bewohnten circa 200 Jahre lang die Pfahlbausiedlung im Keutschacher See. „Es lebten ungefähr 20 bis 50 Personen auf der Insel“, sagt Cyril Dworsky, Archäologe und „Kuratorium Pfahlbauten“-Geschäftsführer. Er war es auch, der maßgeblich daran beteiligt war, dass dieses prähistorische Erbe zusammen mit den Siedlungen im Attersee und Mondsee 2011 zum UNESCO-Welterbe ernannt wurde.

„Der Keutschacher See ist ein sehr wichtiges Mosaiksteinchen in der Jungsteinzeitforschung“, sagt Dworsky, der als einer der wenigen Experten in Österreich für Archäologie unter Wasser gilt – das kommt ihm bei den Pfahlbauten in Keutschach zugute. Denn die Insel ragt nicht etwa aus dem See empor. Nein, sie befindet sich circa zwei Meter unter Wasser. Und das bringt Vorteile: Normalerweise würden nämlich die Spuren des urgeschichtlichen Alltagslebens im Laufe der Jahrtausende verrotten und zerfallen. Doch unter Wasser ist das anders, weiß Dworsky: „In Seeböden bleiben besonders vergängliche Materialien wie Holz, Textilien, Pflanzen und Nahrungsreste gut erhalten.“

Kuratorium Geschäftsführer Cyril Dworsky
Geschäftsführer Cyril Dworsky © Kuratorium

Damit das auch weiterhin so bleibt, wurde im vergangenen Jahr ein Pilotprojekt gestartet. „Der Bereich im See ist ein beliebter Rückzugs- und Laichort für Fische. Sie fühlen sich zwischen den herausstehenden Pfählen sicher“, sagt Dworsky. Allerdings zerstören besonders Zander, die Gruben zum Laichen errichten, die Deckschicht der prähistorischen Fundstätte. „Dieser Mantel ist aber wichtig, damit die Pfahlbauten erhalten bleiben können“, sagt Dworsky. „Die Deckschicht weist auch immer wieder Schäden durch Angeltätigkeiten und Bootsüberfahrten in diesem Bereich auf – was im Übrigen nicht erlaubt ist.“ Aus diesem Grund wurden im vergangenen Jahr auf einer Fläche von 40 Quadratmetern als Pilotprojekt Erosionsschutzmatten aus Kokos und Jute ausgebracht. „Wir haben bewusst auf Naturmaterialien zurückgegriffen, da Geotextilien, die dafür auch geeignet wären, meist einen hohen Kunststoffanteil aufweisen und Mikroplastik ans Wasser abgeben“, sagt Dworsky.

Um die Deckschicht zu schützen, wurden Erosionsschutzmatten aus Kokos und Jute ausgebracht
Um die Deckschicht zu schützen, wurden Erosionsschutzmatten aus Kokos und Jute ausgebracht Foto © Kuratorium

Diese Schutzmaßnahmen hätten bereits im Frühjahr im Zuge der jährlichen Zustandskontrolle auf ihre Tauglichkeit getestet werden sollen. Doch aufgrund des coronabedingten Lockdowns wurde dieses Vorhaben auf Ende Oktober verschoben, so Lieselore Meyer vom Kuratorium für Pfahlbauten. Meyer ist in Keutschach für den Schutz der Pfahlbauten zuständig.

Kuratorium Kärnten-Zuständige Lieselore Meyer
Kärnten-Zuständige Lieselore Meyer © Kuratorium

Die Forschungen an der derzeit ältesten bekannten Pfahlbausiedlung Österreichs, die 1864 von Ferdinand von Hochstetter entdeckt wurde, sind noch lange nicht zu Ende. „In der Pfahlbausiedlung im Keutschacher See liegt sehr viel Wissenschaftspotenzial“, sagt Dworsky.

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